Es ist eine dieser Geschichten von Vergessen und Wiedererwckung, und sie beginnt damit, dass Bobby Purify sich von der Welt abwandte, nachdem er durch den Grauen Star sein Augenlicht verloren hatte. Der Soulstar, einst die Hälfte des Duos James & Bobby Purify und vor ein paar Jahren noch für einen Gospel-Grammy nominiert, versank im Dunkel der Verzweiflung - bis eines Tages das Telefon klingelte. Ray Charles erklärte, dass man für Soul keine Augen brauche. Ich sollte weitersingen, um meinen Geist zu beschäftigen. Ray sagte: Nütze deine Stimme als Krücke.

Ben Moore, wie der Sänger und Gitarrist hieß, bevor er in den siebziger Jahren die dritte Verkörperung von Bobby Purify gab, nahm sich Uncle Rays Worte zu Herzen. Er sang wieder in seiner Kirche und auf Privatpartys - wo seine rauchige, ausdrucksstarke und melodiöse Stimme der Songwriter-Legende Dan Penn ein Déjà-vu bescherte. Der hatte einst den James-and-Bobby-Purify-Hit I'm Your Puppet geschrieben. Bobby Purify, so hatte er geglaubt, sei längst verstorben. Als Penn den Sänger in das Kellerstudio seiner Villa in Nashville einlud, war dieser nicht minder erstaunt, dort ein Klassentreffen von Soulveteranen vorzufinden: die Muscle Shoals Rhythm Section mit Keyboarder Spooner Oldham, Bassist David Hood und Gitarrist Jimmy Johnson neben Trompeter Wayne Jackson von den Memphis Horns.

Das ideale Setting also, um den warmen, spontanen Sound der sechziger und siebziger Jahre zu rekreieren. Die alte Südstaatenmagie zwischen Country und Kirche noch einmal wachzukitzeln. Penn, der Co-Autor und Produzent der 13 Songs von Better To Have It ging keine Kompromisse ein: Er engagierte eine Bläser- und Streichersektion und nahm alles auf einem 16-Spur-Analogrekorder auf. Bobby Purifys Spätwerk mag die kathartische Dringlichkeit eines Solomon Burke abgehen: Doch wer wagte es zuletzt, die ganze Fülle des Southern Soul so differenziert ins Heute zu übersetzen? Von der orgeluntermalten Gospelseligkeit des Titelsongs bis zum sumpfigen Funk von The Pond, vom Al-Green-Schmachter Things Happen bis zum sozialkritischen Nobody's Home?

Bobby Purify singt: You're so cool in an old-school kind of way - man möchte ihm das Kompliment am liebsten zurückgeben.

Bobby Purify: Better To Have It

(Proper Records PRPCD022/Rough Trade)