Mit Interesse und Vergnügen habe ich Sten Nadolnys Bericht über die Seeschlacht bei Trafalgar gelesen. Eine kleine Korrektur: Das berühmte Flaggensignal vor Beginn der Schlacht lautete England expects every man to do his duty! Ein Beispiel für die Anwendung des AcI, den wir aus dem Lateinischen kennen.

WERNER KARA, PER E-MAIL

Generationen von Londonbesuchern, Englandfreunden, Englischlehrern meinten und meinen genau zu wissen, wie das berühmte Signal Lord Nelsons, das er auf der Victory am Vormittag vor der Schlacht von Trafalgar setzen ließ, nach den ersten zwei Wörtern weitergeht, nämlich ... every man to do his duty. Auch viele Briten sind dieser Meinung, denn so ist es auf Nelsons Säule am Trafalgar Square und auf seinem Grabstein in der St. Paul's Cathedral zu lesen. Da ich nun geschrieben habe: England expects that every man will do his duty, dürften manche der Meinung sein, dass ich schon den Anfangssatz meines Artikels miserabel recherchiert hätte. Glücklicherweise kann ich sagen, meine Version ist die richtige. Genau so wird alljährlich in Portsmouth am Trafalgar Day auf der Victory geflaggt, genau so steht es im Logbuch der Victory und anderer Schiffe, die das Signal korrekt erwiderten.

Aber man stand kurz vor dem Beginn einer gewaltigen Schlacht. Die Victory fuhr in Richtung Gegner vorneweg an der Spitze der Kolonne. Daher wurde in einigen Toppen das Signal nur mit Mühe entziffert. Man sah vorausfahrende Schiffe von achtern her, also verkürzt. Der Wind blies in Fahrtrichtung, die Flaggen wehten nach vorn, sie waren noch dazu immer wieder teilweise von den Segeln des Besan- und Großmastes verdeckt, ließen sich also von hinten nicht so leicht lesen wie in einem Handbuch. Die Schiffe in Nelsons Kolonne waren auf Vermittlung aus der parallel fahrenden Kolonne Collingwoods angewiesen, die das Signal besser sehen konnten. Dort nun glaubte ein Signalfähnrich (vielleicht der auf der Bellerophon) den Wortlaut every man to do his duty zu erkennen oder hielt ihn eigensinnig für den sprachlich besseren. Er gab die Botschaft jedenfalls in dieser Form weiter, sie setzte sich bei den entfernt folgenden Schiffen durch und stand dann auch so in deren Logbüchern.

Der Satz mit to war mit seiner den Lateiner erfreuenden AcI-Konstruktion tatsächlich eleganter und für die Ewigkeit besser geeignet als der von Nelson. So ist zu verstehen, dass das Falschzitat beliebter wurde als das Original, dass es auf den Tafeln der Londoner Monumente wiederkehrte und von Erzählern weitergetragen wurde bis heute. Übrigens gab es noch ein weiteres Signal zu übermitteln, Nelsons letztes - Engage the enemy more closely, frei übersetzt: Ran an den Feind! Es blieb in der Victory-Takelage, bis die Franzosen es zusammen mit dieser in Fetzen schossen.

STEN NADOLNY, BERLIN