Argument Wer bremst Edmund Stoiber?Seite 2/2

Im Grunde muss Edmund Stoiber nichts anderes umsetzen als eine Industriepolitik, die im Einklang mit marktwirtschaftlichen Regeln steht. Daran hielt sich in den vergangenen Jahren die rot-grüne Bundesregierung – von gelegentlichen Sündenfällen wie dem Päppeln des Steinkohlebergbaus und der Werftindustrie durch Erhaltungssubventionen abgesehen.

In Stoibers Verständnis von Industriepolitik lauert dagegen die Gefahr verstärkter Eingriffe. Der CSU-Chef ist kein Mann der behutsamen Weichenstellung. Er hat in Bayern demonstriert, dass ihm nie ein paar Millionen fehlten, wenn es galt, ein marodes Unternehmen zu erhalten oder Prestigeprojekte mit einer Staatsbeteiligung zu fördern. Manche dieser Aktionen verkaufte die Regierung des Freistaats als industriepolitische Aktion, obwohl sie lediglich ein beschäftigungs- oder regionalpolitisches Ziel hatten.

Wahrscheinlich wird der Bayer versuchen, diese Politik auf Bundesebene zu wiederholen, und argumentieren, es gehe ihm einzig um die Modernisierung der Wirtschaft. Aber was in einem Bundesland gelingen mag, lässt sich nicht einfach auf die nationale Ebene übertragen. Und das nicht nur, weil das Geld dafür fehlt. Die Gefahr ist groß, dass dann der Staat umfassend definiert, was Fortschritt ist, und durch gezielte Eingriffe die Wirtschaft genau dahin zu lenken versucht. Meist scheitert er dabei – siehe Frankreich, wo der alte etatistische Ehrgeiz Unternehmen und ganze Industriebereiche quasi unter Denkmalschutz stellt, um ihr Überleben zu sichern. Das mag auf kurze Sicht Arbeitsplätze erhalten, schafft aber keine Innovation. Erfahrungsgemäß enden solche Ambitionen mit der Erkenntnis, dass sich der Fortschritt nicht herbeizwingen lässt.

Angela Merkel, die künftige Kanzlerin, will Forschung und Innovation zu ihrer Sache machen. Das kann nicht schaden. Einmal um darauf zu achten, dass der Wirtschaftsminister seine Kompetenzen sinnvoll einsetzt und nicht in den Dienst falscher Ambitionen stellt. Zum andern, um im politischen Grabenkampf an das Ziel zu erinnern: Nur wenn die deutsche Wirtschaft innovativer ist als ihre Konkurrenz, kann sie bestehen.

 
Leser-Kommentare
  1. Das Abgreifen der besagten Abteilungen aus dem Forschungsministerium hat nur einen Zweck: die Eitelkeit des Herr Stoiber zu befriedigen. Das hat dieser Artikel gut herausgestellt. Und in der Tat, gibt es niemanden - wohl auch nicht in der CSU -, der mit sachlichen Argumenten untermauert dafür argumentieren kann. Warum ist in der Union trotzdem niemand bereit und in der Lange, dem eitlen Geck in die Parade zu fahren? Eine jämmerliche Vorstellung! Oder liegt es daran, dass man in München recht froh ist, den Stoiber los zu sein?

  2. Ein guter Artikel mit guten Argumenten für einen Verbleib der Kompetenzen im BMBW. Was mich nachdenklich macht ist die Tatsache, dass das erwartete Machtwort der designierten Kanzlerin, die ja schon mal als 'Physikerin der Macht' bezeichnet wurde, ausblieb. Es wäre ja eine gute Gelegenheit gewesen Ede endlich mal in seine Schranken zu verweisen und auf Normalmaß zurückzustutzen. Es wird ja langsam unerträglich, wie er bei jedem öffentlichen Auftritt von Angie daneben steht und sie mit Oberlehrerblick bewacht, dass sie nur nichts sagt, was von ihm nicht autorisiert ist (geht er eigentlich auch mit ihr aufs Damenklo um zu verhindern, dass sie dort vielleicht mit Reporterinnen plaudert?). Das Risiko ist ja mittlerweile gering: würde Ede grollend in München bleiben, würde es eben ohne ihn gehen, denn CDU und SPD haben ja auch ohne die CSU eine satte Mehrheit. Gleichzeitig würde die einmal losgetretene Debatte um seine Nachfolge nicht mehr so leicht zu stoppen sein und er hätte im eignen Haus genug Beschäftigung um nicht allzu sehr in Berlin zu stören. Würde er trotz verweigerter Wissenschafts-Kompetenzen am Kabinettstisch Platz nehmen, wäre er erstmal eine 'lahme Ente' und müsste sich durch fachliche Erfolge wieder nach vorne spielen. Also Angie, wir erwarten Richtlinienkompetenz! Der Wissenschaft in Deutschland würde es gut tun...

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