Keine Zeitung sei so nah "am Puls der Hauptstadt" wie der Berliner Kurier, schwärmte der irische Investor David Montgomery am vergangenen Dienstag. Und im Schwesterblatt Berliner Zeitung gebe es Kommentare, die besser seien "als vieles, was die nationalen Zeitungen in Großbritannien abdrucken", legte er freundlich nach. Dabei spricht er an diesem Tag leise, vermeidet jede aggressive Geste und lobt im Gespräch den Berliner Standort. Oder anders gesagt – er versucht Vertrauen zu säen.

In der Nacht zum Dienstag übernahm der von Montgomery geleitete Investmentfonds Mecom den Berliner Verlag. Gemeinsam mit Veronis Suhler Stevenson, einem weiteren Finanzinvestor, schrieb er damit deutsche Pressegeschichte, während viele Journalisten und Verleger noch hofften, dass es nie so weit kommen würde. Nun muss das Bundeskartellamt zustimmen, doch große Hürden sind nicht zu erkennen.

Noch am Wochenanfang hatten mehr als 130 prominente Journalisten, Literaten und Künstler gegen die Übernahme durch Finanzinvestoren protestiert. Deren "Raffgier kann den publizistischen Ruin bedeuten", schrieben sie und wandten sich anschließend direkt an den Verkäufer. Er solle die Verhandlungen abbrechen und "sein publizistisches Ansehen bewahren". Gemeint war die Holtzbrinck-Gruppe, zu der auch die ZEIT gehört. Doch ungeachtet der öffentlichen Kritik ging der Berliner Verlag für geschätzte 150 Millionen Euro an die Investoren.

Der Aufruf wird den Journalisten des Berliner Verlags wohl dennoch nützen, nur auf eine andere Weise, als es die Unterzeichner zunächst gedacht haben.

Nach all der Kritik sind David Montgomery und seine Partner fast schon gezwungen, mit besonderer Verve zu beweisen, dass sie respektable Eigentümer sind. Dass sie den Berliner Verlag in den nächsten Jahren sogar voranbringen. Sie müssen es schon aus purem ökonomischem Kalkül versuchen.

Erstens wollen die Fonds weitere Regionalzeitungen erwerben. Damit ihnen das gelingt, dürfen sich andere Verleger nicht scheuen, mit den Investoren ins Geschäft zu kommen. Und diese Scheu würde wachsen, wenn Montgomery im Berliner Verlag in "Heuschrecken"-Manier auftreten würde, um auf Kosten der publizistischen Güte die Rendite zu erhöhen.

Zweitens zwingt die langfristige Perspektive die Investoren dazu, alles zu tun, damit die Auflage steigt und zusätzliches Geschäft entsteht. Schließlich geht bei einem Ausstieg in fünf bis acht Jahren der Gewinn der Finanzinvestoren erheblich nach oben, wenn der Umsatz bis dahin in die Höhe geschnellt ist. In der Medienbranche ist ein steigender Umsatz bei der Preisfindung oft sogar wichtiger als die Frage, ob ein Verlag nun acht oder zehn Prozent Rendite im Jahr abwirft.