Pro und Contra Darf man gratulieren?
Der reichste Mann der Welt wird 50. Der Microsoft-Gründer begeistert und vergrätzt. Zwei ZEIT-Autoren diskutieren: Bill Gates hat seinen Reichtum verdient. Im Gegensatz zu vielen anderen, sagt Kristian Klooss.
Als ihr Junge in die siebte Klasse kommen sollte, waren William und Mary Gates besorgt. Der kleine Bill war schüchtern und scheu, seine Intelligenz war dagegen für ein Kind seines Alters sehr ausgeprägt. Eine öffentliche Schule schien den Eltern nicht der geeignete Ort für ihren Sohn zu sein. Also schickten sie ihn auf die Lakeside School, eine private Eliteschule am anderen Ende Seattles.
Dieser Entschluss sollte die Welt verändern. An der Lakeside School kam Bill Gates zum ersten Mal mit einem Computer in Berührung. Gemeinsam mit seinem Schulkameraden Paul Allen lernte der Zwölfjährige das Programmieren. 1975 – Gates war gerade zwanzig – gründeten beide gemeinsam das Unternehmen Microsoft. Das ambitionierte Firmenmotto lautete: In jedem Haus soll ein Computer stehen.
So beginnt eine der beeindruckendsten Karrieren der jüngeren Wirtschaftsgeschichte.
Die beiden Programmierer erkannten einen Trend, der Anfang der Siebziger keineswegs vorgezeichnet war: den Aufstieg des Mikrocomputers und der dazugehörigen Software. Diese Idee verfolgten sie beharrlich. Die Gegenwart gleicht einem Triumph der Visionäre: Heute steht tatsächlich in beinahe jedem Haus ein Rechner. Vor allem dank der Betriebssysteme von Microsoft. Eine unternehmerische Leistung, die ihresgleichen sucht.
Die allerdings selten honoriert wird. Stattdessen zieht Microsoft die Kritiker an wie ein Monitor die Staubpartikel. An der Spitze stehen meist besserwisserische Informatiker. Sie setzen auf Linux. Ein von Legenden umranktes Betriebssystem, das sich jeder kostenlos aus dem Internet herunterladen kann.
Wirklich jeder? Eben nicht! Normale PC-Nutzer haben gar nicht die Zeit und die Fähigkeit, sich in Linux einzuarbeiten. Es ist einfach zu kompliziert. Die Microsoft-Betriebssysteme dagegen kann ein Siebenjähriger genauso leicht bedienen wie ein Siebzigjähriger. Aber um Normalos kümmern sich nörgelnde Computerfreaks ja nicht.
Natürlich hat Bill Gates auch Glück gehabt. So wie jeder erfolgreiche Unternehmer. In seinem Fall war das Glück mit dem Namen IBM verbunden. Der Konzern, der damals Großrechner und elektronische Schreibmaschinen herstellte, hatte die Entwicklung des Marktes für Heimcomputer zu spät erkannt. Deshalb suchten die Manager jetzt eiligst ein Unternehmen, das für den neuen IBM-PC ein geeignetes Betriebssystem bereitstellen konnte. Sie fanden Microsoft.
Gates und Allen nutzten ihre Chance, indem sie IBM ein modifiziertes Betriebssystem unter dem Namen MS-Dos anboten, das sie zuvor von einer anderen Firma erworben hatten. Innerhalb weniger Jahre setzte sich der IBM-PC gegen die Konkurrenz von Commodore und Apple durch. Damit begann der Siegeszug des Bill Gates, der seit 1985, nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden Allens, Microsoft allein führte.
Heute besitzt Bill Gates noch rund eine Milliarde Microsoft-Aktien. Sein Reichtum wird vom US-Magazin Forbes auf rund 51 Milliarden Dollar geschätzt. Ziemlich viel Geld. Bill Gates gibt fast alles davon aus. Vor allem, um anderen Leuten zu helfen.
Die Bill & Melinda Gates Foundation hat sich kranker und benachteiligter Menschen angenommen. Das Stiftungsbudget beträgt sagenhafte 28 Milliarden Dollar. Das meiste Geld stammt von Bill Gates. Bis zu seinem Ableben wird er nach eigenen Aussagen mehr als 95 Prozent seines Reichtums gespendet haben.
Die Stiftung widmet sich vor allem der Bekämpfung der zehn schlimmsten Krankheiten der Welt, wie zum Beispiel Aids, Malaria und Tuberkulose. Das sind Krankheiten, die vor allem in Entwicklungsländern verbreitet sind. Die geringe Kaufkraft in diesen Ländern verhindert, dass dort ein lukrativer Markt für Medikamente oder Impfstoffe entsteht.
Bill Gates hat dafür gesorgt, dass seine Produkte zu einem Quasistandard in der Computerwelt wurden. Damit hat er von einer Schwachstelle der freien Marktwirtschaft profitiert – dem möglichen Monopol. Doch nun nützt er seinen Reichtum, um eine andere Schwachstelle des Freimarktes – die Unterversorgung der Dritten Welt mit Impfstoffen und Medikamenten – auszugleichen. Wer so handelt, ist im Gegensatz zu vielen anderen Superreichen seines Vermögens würdig.
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Herr Gates.
- Datum 27.10.2005 - 14:00 Uhr
- Quelle (c) DIE ZEIT 27.10.2005 Nr.44
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Ohne die Betriebssoftware Windows wären wir nicht weniger als 20 Jahren von unserem heutigen Standart entfernt gewesen.
Wir sollten Microsoft Gründern dafür danken.
Ich bin mit MS-DOS groß geworden. (Eigentlich hatte ich das "Glück" einen CBM 8032 davor zu haben.)
Jedenfalls war die Bedienung von MS-DOS nicht gerade intuitiv. Damals hätte man auch gut ein altes Unix nehmen können. Wie die Befehle auf der Kommandozeile lauten, ist doch nur Sache des Erlernens.
Die große Leistung von Gates war aus meiner Sicht das geschickte Kopieren von Merkmalen. Ein Windows ähnliches System und eine Maus hatte Apple schon vor den PCs - und auch die haben das mehr oder weniger aus den Laboren von Xerox kopiert.
(Fenstersysteme gab es vor Windows 95 und NT4 auch schon in ähnlicher Form bei Unix-Varianten wie SunOS.)
Und auch andere wichtige Impulse kamen stets von anderer Seite. Nächstes Beispiel ist das Internet. Microsoft hat es völlig verschlafen. Netscape war langer der einzige nutzbare Browser. Erst 1995 fing Microsoft - völlig in Panik - an, den Internet-Explorer seinem System nachzuschieben und zu integrieren. Es brach der "Browserkrieg" aus.
Und auch spätere Innovationen in der Bedienbarkeit wurden immer mal wieder von Apple übernommen.
Eine Leistung von Gates erkenne ich jedoch an: Er hat es stets verstanden, die Innovationen zu übernehmen und als seine der Öffentlichkeit zu verkaufen. Und das Verkaufen konnte es besonders gut.
Aber natürlich gratuliere ich Herrn Gates. In einer Welt, die sich immer noch dem Karitalismus verschrieben hat hat er doch eine Bilderbuchkarriere hingelegt, gerade weil er Methoden einsetzte, die nicht als fair und sozial zu bewerten sind. Aber gerade in USA sind dies probate Mittel im Alltagskampf des Kapitalisten. Immerhin nutzt er seinen Profit und gibt ihn in großen Beträgen an die Gesellschaft zurück, was man nicht von vielen Milliardären behaupten kann. Außerdem verfolgt er eine Vision von einer globalen Gemeinschaft, in der jeder seinen Platz hat, auch das mehr als z.B. gerade Arbeitsmarktpolitik und Sozialpolitik in den meisten Ländern, auch Deutschland, erwarten lässt.
Kritik an Herrn Gates ist automatisch Systemkritik und da sollte man denn auch ansetzen wenn man meint, mit dieser Welt stimme etwas nicht. Ohne Herrn Gates hätten wir heute vermutlich noch nicht das globale Dorf "Internet", welches auf seine eigene Weise Menschen in demokratischer Gleichheit verbindet.
Happy Birthday.
Zu nächst möchte ich mich den Geburtstagsgratulationen anschließen. Happy Birthday Bill! Auch ich verdiene schon seit einiger Zeit mein Geld mit PCs und dem dazugehörigem Drumherum. Und ich muss gestehen, die - vor allem in der Anfangszeit schlechte Qualität des Betriebsystems hat viel zu meinem Einkommen beigetragen.
Die in diesem Artikel erwähnte Bedienerfreundlichkeit mit der sich MS Windows von einem Siebenjährigen genauso leicht bedienen lässt wie von einem Siebzigjährigen ist, meiner Meinung nach, etwas einseitig dargestellt. Microsofts erstes Betreibsystem, MS-DOS, war damals auch nur mit einer Kommandozeile ausgestattet, und unterschied sich hiermit nicht durch leichte Bedienbarkeit. Es war, durch den Vertrag mit IBM, auf allen PCs vorinstalliert. Der eigentliche Grund für den Siegeszug des PCs war der Preis. Bills Betriebssystem war nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort, was auch eine Leistung ist. Damals wurden PCs von Nutzern als eine homogene Einheit wahrgenommen, ähnlich wie Taschenrechner. Durch diese mangelnde Unterscheidung, hatte es MS-DOS leichter in den Köpfen der Nutzer Wurzeln zu schlagen. So kam es zu einer immer größeren Akzeptanz des Betriebsystems von Microsoft. Ob es das höhere Ziel der Firmengründer (Bedienerfreundliche PCs für alle) gab oder nicht, zur Dominanz von Microsoft hat es nichts beigetragen. Vielmehr war es die Gewöhnung der Nutzer an das Betriebssystem, die dann zum so genannten Netzeffekt geführt hat (Eine Technologie wird umso wertvoller, je mehr Menschen sie benutzen. Z.B. Handy).
Mittlerweile hat sich eine Menge getan in dieser Branche, und die Qualität der Produkte hat sich enorm verbessert, und zwar in allen Lagern. So lässt sich auf Linux ein Desktopsystem installieren, das der Benutzerfreundlichkeit der Konkurrenz in nichts nachsteht. Zumal die meisten ihr Betriebssystem nicht selber installieren, sondern vorinstalliert auf dem PC erwerben. Wenn ich Kunden Empfehlungen für eine bestimmte Plattform geben soll, ist es in den meisten Fällen doch Windows. Jedoch nicht weil sie technisch überlegen ist, sondern weil die Vorkenntnisse der Käufer auf dieser Plattform am größten sind. Auf dem Arbeitsplatz, in der Schule oder bei Freunden ist Windows immer präsent. Wenn jemand Fragen oder Probleme hat, gibt häufig jemanden im Bekanntenkreis, der sich gut genug mit Windows auskennt, um weiter zu helfen. Im (wohl eher theoretischem) Fall, dass jemand keine Vorkenntnisse und keine fachlich versierten Freunde hat, könnte man ihm heute, jedes Betriebssystem vorsetzten. Unter der Bedingung, dass die richtige Hardware ausgesucht wurde, ist auch die Installation von Linux nicht komplizierter als von Windows.
Alleine der Anstand zwingt uns dazu. Allerdings sollte man sich auf die Geburtstagsglückwünsche beschränken. In Sachen Software und Computer kann ich nichts rühmliches entdecken. Microsoft hat kopiert und geklaut, als gäb's kein Morgen. Da fallen die Innovationen und Errungenschaften, die Microsoft hervorgebracht hat, unweigerlich unter den Tisch. Zu recht.
Seien wir ehrlich, verdient haben wir Bill Gates und Microsoft sehr wohl. Niemand war und ist gezwungen bei der Anschaffung eines Computers auf die Windows-Platform zu setzen. Es gibt heute mehr denn je Alternativen die gut und brauchbar sind.
Fragen könnte man sich, ob die Gesellschaft zulassen darf, dass ein Mensch ein Monopol aufbauen kann, mit dem er derart viel Geld verdient, wovon schon ein Bruchteil für ein luxuriöses und entspanntes Leben reichen würde. Zugegeben, wenn neunzig Prozent für wohltätige Zwecke gespendet wird, würde das Geld, aufgeteilt auf Konkurrenzfirmen, woanders landen. Aber sollte man deshalb vor Bill Gates niederknien. Sicher nicht. Bei den Summen halte ich diese Spende für das Mindestmaß an Selbstverständlichkeit.
Herr Klooss hat aus meiner Sicht schon seit längerer Zeit kein Linux mehr angefasst. Ich gebe zu, dass es vor 2-3 Jahren noch so war, dass man Linux als normaler Benutzer nur schwer bedienen konnte.
Auch heute gibt es noch Varianten (Distributionen), denen man sich als Laie besser nicht nähern sollte. Dazu zählen vor allem diejenigen Distributionen, die den Schwerpunkt auf Server-Systeme setzen oder von fachkundigem Personal gepflegt werden (Enterprise Distributionen). Aber dies gilt im übrigen auch für Microsoft. Einen Windows 2003 Server setzt man auch nicht mal eben so auf.
Allerdings gibt es auch viele Distributionen, die sich mittlerweile leichter installieren lassen als ein Windows XP. Schon die 9er-Versionen von SuSE gehörten dazu - ebenso auch Ubuntu.
Auch ist die Bedienung inzwischen nicht mehr anders/komplizierter als unter Windows - wenn man mal davon absieht, dass es meist einen Knopf gibt zum Abschalten, der aussieht wie bei jedem anderen Gerät und nicht unter "Start" zu suchen ist.
Allerdings muß ich zugeben, dass auch die neuen Versionen mit den neuesten Laptops manchmal ihre Probleme haben.
Ich kenne Leute, die nichts mit Computerfreaks zu tun haben, mit Linux eingestiegen sind und keine Probleme haben.
Vielleicht täte Herr Klooss gut daran, sich mal einen PC zu nehmen und ein aktuelles Linux zu installieren (oder ein LiveCD einzulegen). Er wird überrascht sein, dass Linux mitunter leichter zu bedienen ist als sein Windows.
Stimmt nicht, Linux ist -zumindestens in den letzen 2-4 Jahren- so einfach zu bedienen, das vom 7 bis zum 70jährigen jeder damit zurecht kommt. Zumindestens, solange nichts kaputt geht. Wenn es dann wirklich hakt, wird es schwierig, aber dann kriegt ihr 70jähriger auch mit Windows nix gebacken. Wo ist also der Unterschied?
Polemik ist nett, aber sollte auf Fakten beruhen (also mal eine aktuelle Linux-Version runterladen und ausprobieren).
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mfg,
Einer der besserwissenden Informatiker.
Dass Bill Gates sein Vermögen heute in großem Umfang für soziale Zwecke einsetzt, verdient zweifellos Anerkennung. Die cleveren, manchmal aber auch reichlich unsauberen Methoden, mit denen er es verdient hat, sind damit jedoch nicht geheiligt. Aber was soll's, Wirtschaft ist per se keine Wohltätigkeitsveranstaltung.
Ärgerlich, weil dumm ist Kristian Klooss Seitenhieb gegen die ach so weltfremden und notorisch nörgelnden Informatiker, die die MS-Produkte, und hier vorrangig Windows, kritisieren. Denn weltfremd sind die nicht (keine Selbstverteidigung, bin kein Informatiker, kein SysAdmin oder ähnlicher ITler!). Die Lücken, die sie beklagen, nerven Millionen "einfacher" Windows-Nutzer. Genauso vorurteilsbeladen und ignorant die Behauptung,Linux sei in Vergleich zu Windows viel schwerer zu bedienen. So einenSchmarrn kannn nur schreiben, wer entweder Linux nicht kennt oder vergessen hat, wie viel Hirnschmalz, Geduld und Frust es gekostet hat, den routinierten Umgang mit Windows zu erlernen und die häufigen mittleren Katastrophen (von Windows 3.x bis Windows ME) mit Bordmitteln zu beheben.Linux ist nicht schwerer, Linux ist eigentlich nur anders und erfordert neu Lernen.
Rüdiger Wenzel
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