Sammler sind die neuen Stars des Kunstbetriebs. In Sonderserien, in Home-Storys und Interviews werden sie gefeiert. Und so wie einst den Malern und Bildhauern attestiert man nun ihnen "ungebremste Experimentierfreudigkeit", "Mut" und "Intuition", sie seien der Zeit voraus, kurzum die wahre Avantgarde.

Selbst junge Sammler werden nun groß gewürdigt, Rik Reinking etwa, ein Sammler aus Hamburg, der in dieser Woche von der Art Cologne besonders geehrt wird. Er habe "sein Taschengeld nicht in Bier und Mädchen, sondern in Fluxus und Informel" investiert, war über ihn zu lesen. Ganz ähnlich wird auch über andere Sammler geschrieben: Sie seien schon früh ganz anders als ihre Gleichaltrigen gewesen, interessante Außenseiter. Von dem Sammler und Verleger Lothar Schirmer heißt es, er "begann als Oberschüler, mit wenig Taschengeld und dem auf dem Bau verdienten Ferienlohn zeitgenössische Kunst zu kaufen".

Solche Geschichten dienen dazu, das Sammeln als Leidenschaft und spezifische Begabung erscheinen zu lassen. Man braucht kein Geld, man braucht nur Talent. Und folglich erwartet man, in einer Sammlung inspirierend-überraschende Arrangements und frische Themenstellungen zu entdecken. So gerät der Sammler in eine Nähe zum Kurator, der aber üblicherweise weniger Stoff für Geschichten bietet. Vielmehr traut man mittlerweile eher den Sammlern verblüffende Beobachtungen zur Kunst zu. Die Kunsthalle Kiel eröffnete vor einiger Zeit die Schau See History 2005 mit dem Untertitel Der private Blick. Ein Jahr lang wird zu sehen sein, wie 17 deutsche Kunstsammler die Bestände des Hauses – unter Einbeziehung der Depotstücke – auf ihre Art arrangiert haben.

Waren es vor ein paar Jahren noch die Künstler Thomas Huber und Bogomir Ecker, die das städtische Kunstmuseum in Düsseldorf in ein Künstlermuseum verwandeln durften, indem sie die Exponate nach ihren Vorstellungen neu anordneten, hat man inzwischen also Sammlern eine solche Aufgabe übertragen. Ausstellungshäuser, etwa das Haus der Kunst in München, sind dazu übergegangen, Sammler wie Harald Falckenberg Sonderführungen veranstalten zu lassen. Und das Handelsblatt organisierte sogar eine Reihe von Sammlerbesuchen, zu denen sich, exklusiv, die Abonnenten der Zeitung bewerben durften. Zu Ingvild Goetz hieß es in der Vorankündigung, sie werde "ihre Passion mit Ihnen teilen". Und weiter: "Erleben Sie eine außergewöhnliche Kunstsammlerin."

Was nur haben die Sammler den Kuratoren, Museumsdirektoren, Galeristen oder Theoretikern voraus? Braucht nicht jeder, der es im Kunstbetrieb zu etwas bringen will, Experimentierfreudigkeit und Intuition, einen eigenen Blick und frische Ideen? Warum wird an Sammlern gelobt und bewundert, was an Ausstellungsmachern oder Kritikern genauso hervorgehoben werden könnte?

Offenbar meinen viele, dass sie einen größeren Einsatz für die Kunst leisteten als andere. Dass sie Geld ausgeben, lässt sich als entschiedenes und ernsthaftes Bekenntnis zur Kunst auslegen. Wer würde so viel zahlen, wenn ihm die Kunst nicht viel bedeutete? Und ist es nicht eines, Werke für eine Ausstellung auszuwählen oder darüber zu schreiben, und etwas ganz anderes, für sie zu zahlen?