Kolumne
Übersex
Im Wettkampf der Geschlechter entsteht ein neues Männerbild
Auch der aufgeklärte Westen hat sein Kastensystem, dem er sich willig unterwirft. Es orientiert sich an sexuellen Vorlieben, und es verfeinert sich andauernd. Unter der Großkaste »Neuer Mann« lagerten sich in den letzten Jahren folgende Subkasten an: das Weichei, der Whimpster, der emo boy,der Walker, der Polysexuelle, der Metrosexuelle.
Diese Begriffe bezeichnen verschiedene Stadien des Abschieds vom alten Männerbild. Während die Frauen im Kapitalismus angeblich immer mehr vermännlichten, wurden die Männer kindlicher beziehungsweise femininer: Frauen, die Männer liebten, hatten es also mit Söhnen oder verkappten Frauen zu tun.
Die Entwicklung kulminierte im Metrosexuellen, der 2003 den Weltmarkt eroberte. Der Metrosexuelle verwendet viel Zeit auf Körperpflege und die Entwicklung eines eigenen Stils, verachtet das traditionelle männliche Lebensfeld (Fußball & Bier) und tut alles, die Frauen durch Entgegenkommen und scheinbar absichtslose Nähe zu entwaffnen.
Nun stellt sich heraus, dass Frauen solche Männer nicht mögen; sie finden sie fad. Will man denn Mutter sein, ohne geboren zu haben? Die meisten Frauen, so behaupten die üblichen Trendforscher, lieben entschlossene, furchtlose, blendend aussehende Männer. Sprich: irreale Vaterfiguren. Männer wie ich nicht und du nicht.
In diesen Tagen kommt nun aus Amerika ein hilfreicher neuer Begriff nach Deutschland, der doch zur Hälfte uns gehört. Der Begriff heißt »The Übersexual«, nur echt mit Umlaut, und er bezeichnet, was Frauen wirklich wollen.
Die Trendforscherin Marian Salzman veröffentlicht in ihrem neuen Buch The Future of Men eine Liste der bedeutendsten Übersexuellen. Lauter Steher, Bringer, Alphawesen. Auf Platz 5 Schwarzenegger, auf 4 Donald Trump, auf 3 Bill Clinton, auf 2 George Clooney und auf 1 der Musiker und Weltretter Bono.
»Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde«, sagt Nietzsche in Also sprach Zarathustra. Und kommt da nicht Bono ins Spiel? Ein Weltstar, ansatzweise heilig. Ein Wesen zwischen Showgorilla und Franz von Assisi.
Den Frauen wiederum sagt Nietzsche: »Euere Hoffnung heiße: ›möge ich den Übermenschen gebären…‹« Das haben die Frauen nun geschafft: Sie haben ihn geboren, als Wunschbild, Trend und spukende Norm.
Wenn es aber stimmt, dass in den letzten Jahren die Männer immer weiblicher und die Frauen immer männlicher wurden, so ist der Übersexuelle ein Kerl, der den enteilten Frauen nachrennt, um sie durch gesteigerte MNess (Marian Salzmans Begriff für Männlichkeit) zu blenden. Im Grunde: ein Rennen im Kreis.
Bleiben zwei Fragen. Erstens: Wohin transzendieren wir als Nächstes? Ist der Mann der Zukunft ein Aftersexual? Ein Endsexual? Oder ein High-End-Sexual?
Und zweitens: Welche Übersexuellen haben die Deutschen hervorgebracht? Antwort: Schröder, Friedman, Assauer. Mehr nicht. Zurück zu Nietzsche.
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- Quelle (c) DIE ZEIT 27.10.2005 Nr.44
- Kommentare 6
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Hauptsache es kommt kein Freud auf!
... ich gebs ja zu, hab auch das ein oder andere ausprobiert, damals. Das Fazit:
Alle Frauen und Männer die vorwigend auf diese Sex-Label-Gender-Schubladen Moden aufspringen zeichnen sich durch Obeflächlichkeit aus.
Womit (wommit) diese sich ohnenhin selbst für eine progressive Beziehung disqualifizieren.
(Was sie wiederrum unglücklich macht und sie Hoffnung in die folgende Mode setzen lässt = Frustrationskreislauf)
Kann allen Betroffenen nur empfehlen, dringend an ihrer emotionalen Gesundheit zu arbeiten.
Bono?! Das ist wohl ein Witz! Und Trump? Never! Und das Bodybuilder nichts zwischen den Beinen haben, ist ja wohl allegemein bekannt. Somit fällt Schwarzenegger auch flach.
George Clooney
Johnny Depp
Viggo Mortensen
Forget about the rest!
Wie?
... Auf Platz 5 Schwarzenegger, auf 4 Donald Trump, auf 3 Bill Clinton, auf 2 George Clooney und auf 1 der Musiker und Weltretter Bono.
1. ...kenn ich "Bono" nich! Der homo bono neandertalensis?
2. Auffem Platza 6 - wenn dat Fünfer de Spitze solcha vorgegebena Ausfülltöbell is - steh abba iche nochimma:
der Mann im Mond.
Daran glauben noch alle Schlaflosen, alle Priesterlein, alle Täubchena, alle Sonnen- und Mondscheiben - alle Neo-Luna-Horoskopen.
post-sexuell!
Zur Efrauzipation gehört wohl vor allen Dingen sich unabhängig
von Bewertungskriterien der anderen Gruppe zu machen!Wobei ich in Zweifel ziehe das "Mann" als komplexes Wesen und Gegenpart
der Frau betrachtet wird,sondern lediglich wie von einer bestimmten Männerschicht schon lange(auf das andere Geschlecht bezogen) etabliert,mit solch platten attitüden wie "Weltenretter",Hero,Knackarsch ect. versehen wird.Um wikliche Freiheit und gegenseitige Anerkennung der Komplexität des anderen Wesens bedarf es wohl das Eingeständnis das das jeweilige Gegenüber zu allem in der Lage ist wie man selbst,es jedoch keiner Demonstration bedarf.Für so etwas belagloses vielleicht auch göttliches wie Sex bedarf es eigentlich nur das gegenseitige Einverständnis zur Rollendefinierung,das wiederum eine Qualitativ hochwertige Komunikation erfordert!
Das wiederum fordert die Anerkennung einer hohen gegenüberStehenden Komplexität.
Also entweder führt das unweigerlich zu vielen Komplexen oder
zu göttlichem SEX?
In diesem Sinne Horus
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