Die Mär vom »Urinindikator« im Schwimmbad ist nicht totzukriegen, aber es handelt sich nur um ein Ammenmärchen, das wohl vor allem Kinder dazu bringen sollte, ihren Schließmuskel im Pool unter Kontrolle zu halten.

Einen solchen Indikator gibt es nicht, betont Alan Schuster, ein Fachmann für Schwimmbadzubehör, der auf seiner Website Fragen rund um den Swimmingpool beantwortet. Zwar könnte man sicherlich eine Chemikalie entwickeln, die sensibel auf geringe Spuren von Urin reagiert, aber sie würde dann mindestens ebenso oft auf andere Substanzen ansprechen und »falschen Alarm« geben.

Doch selbst wenn es einen Stoff gäbe, der das Vorkommen von Urin mit roter oder lila Farbe anzeigte – wäre das nicht sogar ein Anreiz für jugendliche Spaßvögel, die bunten Wolken zu erzeugen und dann mit dem Finger auf andere zu zeigen? »Wenn eine solche Substanz existierte, wäre jedes öffentliche Schwimmbecken leuchtend lila«, zitiert die Website snopes.com einen Bostoner Bademeister.

Auch wenn die Vorstellung eklig ist – Urin im Wasser ist nicht das hygienische Hauptproblem der Schwimmbäder. Die Kolibakterien, die ja einen anderen Ursprung haben, sind viel gefährlicher. Die schlimmste Wirkung beim Pinkeln im Pool ist, dass der Urin zusammen mit dem Chlor im Becken ätzende Chloramine bildet, die für den typischen »Schwimmbadgeruch« verantwortlich sind. Christoph Drösser

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