Zeitläufte Im Namen der RechtgläubigenSeite 5/5

Als am 27. Januar 1606 in London der Prozess gegen die Terrorzelle begann, verfolgte König Jakob die Verhandlung von einem nicht einsehbaren Raum aus. Über eines ärgerte er sich dabei ganz besonders: Die Angeklagten rauchten! Jakob hatte bereits zu Beginn seiner Regentschaft die Abhandlung Counterblaste to Tobacco geschrieben – der König war einer der ersten Verfechter des aktiven Nichtraucherschutzes.

Es wurde ein kurzer Prozess. Schon am 30. Januar bestiegen die ersten drei Verurteilten das Schafott. Die Strafe: Hängen (möglicherweise, aber nicht unbedingt bis zum Eintritt des Todes), Herausschneiden der Eingeweide und des Herzens, schließlich Vierteilen. Tags darauf wurden weitere fünf hingerichtet. Als Letzter starb Guy Fawkes, durch Haft und Folter so geschwächt, dass ihm der Henker auf die Leiter zum Galgen helfen musste. Dieses eine Mal hatte er Glück: Sein Genick brach sofort, der Todeskampf blieb ihm erspart. Einige Monate später wurde auch Father Garnet gehängt.

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Der Gunpowder Plot, die Schießpulververschwörung, die den Katholiken Englands die Freiheit hatte bringen sollen und darüber hinaus die Macht im Reiche, führte nur zu noch mehr staatlicher Diskriminierung. Katholiken durften keinen Universitätsabschluss mehr erwerben, weder Anwalt werden noch Offizier. Es dauerte bis 1797, dass katholische Engländer bei Kommunalwahlen mitstimmen durften; das Wahlrecht für jenes Parlament, das Fawkes in die Luft sprengen wollte (ob mit einer Lunte oder als Selbstmordattentäter, wurde nie geklärt), erhielten sie erst 1829.

Guy Fawkes, der dem fröhlichen Feiertag von heute seinen Namen gab, da man bonfire toffees und anderes Zuckerwerk nascht, wurde im Lauf der Jahrhunderte zu einer gerade zu volkstümlichen Figur. Immerhin, so sagen Spötter, sei er der einzige Mann gewesen, der je in ehrlicher Absicht ins Parlament gegangen ist. Doch dieses Jahr liegt ein Schleier über dem 5. November. Genau 400 Jahre nach dem monströsen Anschlagsversuch erinnert der Schein der Fackeln daran, dass religiös motivierter Terror eine Geißel der Zivilisation bleibt. In London und anderswo.

Der Autor ist Arzt und Historiker und lebt in Washington, D. C.

 
Leser-Kommentare
  1. Kein Wort zu den begründeten Zweifeln an dieser Darstellung. Eines Historikers unwürdig.

    Kein Wort der kritischen Anfrage an den Fanatismus der Mehrheit.
    Eines Demokraten unwürdig.

    Nützlich ist der Artikel aber, weil er zeigt, dass auch Christen als Terroristen, die keinen Anspruch auf Menschenrechte haben, abgetan werden können.
    Hoffen wir, dass weder wir noch unsere Nachkommen es erleben.
    Walter Böhme

  2. Der gerlernte Historiker Ronald D. Gerste, der 1994 an der Universität Düsseldorf über das Thema "Schweden und die amerikanische Revolution" dissertierte, sollte es besser wissen. Zwar ist es bei journalistischen Beiträgen (erstaunlicherweise auch in der feinen Hamburger "Zeit") unüblich Quellen zu nennen. Aber hier unterläuft dem "Arzt und Historiker", der für Ihr hanseatisches Wochenblatt zeitnah zum 400. Jubiläum des in London frenetisch gefeierten "Gunpowder Plots", (oder genauer seines Scheiterns) einen leutseligen Artikel verfasste, eine wirklich grobe Unsportlichkeit. "I am not amused!" würde Ihrem Autor Bruce Robinson entgegenschleudern. Der hatte nämlich am 4. Januar 2001 auf der "History Homepage" der BBC einen Aufsatz veröffentlich, aus dem sich Gerste eifrig bedient. Und da sich Ihr Verfasser mit dem mysteriösen "D." in seiner Namensmitte nicht lange mit einer Referenz für seinen Kollegen an der Themse aufhält, braucht er auch die virtuelle "Gunpowder Plot Society", deren Webseite er nach Herzenslust "plündert" nicht zu nennen.

    Eigenartig, was aus der guten alten "Zeit" geworden ist. Sie ist im Laufe der Jahre nicht nur stark nach rechts gerückt, sondern hat offensichtlich auch beträchtlich an Seriosität bezüglich des Urheberrechts eingebüßt.

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  4. Geht so

    danke

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