Konservatismus Kinder statt Urlaub

Ein Gespräch mit Bundesverfassungsrichter Udo Di Fabio über die Wiederentdeckung der Familie, seine Herkunft aus dem Arbeitermilieu und über die Fehler der Konservativen

DIE ZEIT: Herr Di Fabio, Ihr Buch über die »Kultur der Freiheit« wird von manchem als Plädoyer für einen neuen Konservatismus wahrgenommen. Soll ein Verfassungsrichter sich in die politische Debatte einmischen?

Udo Di Fabio: Ich habe mich das auch gefragt. Richter sollten gewiss nicht über ihre Fälle öffentlich reden, aber als Mitglieder eines Verfassungsorgans dürfen sie ihre Auffassungen in einer Wertedebatte sicherlich äußern. Ich schätze an der amerikanischen Demokratie, dass man dort genau wissen will, wer die höchsten Richter eigentlich sind und was sie denken. Darum werden die Kandidaten für den Supreme Court so gründlich durchleuchtet.

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ZEIT: Und Sie haben sich jetzt freiwillig selbst durchleuchtet?

Di Fabio: Ich meine, die Bürger haben einen Anspruch, zu wissen, was ein Richter eigentlich denkt über die kulturellen Grundlagen unserer Gesellschaft, welches Wertesystem er seinen Urteilen zugrunde legt.

ZEIT: Halten Sie es für sinnvoll, dass der neue Bundestagspräsident Norbert Lammert die Diskussion um die deutsche Leitkultur neu angestoßen hat?

Di Fabio: Der Begriff Leitkultur ist umstritten, weil manche damit einen Kulturhegemonismus der Einheimischen gegen Zuwanderer in Verbindung bringen. Ich glaube aber nicht, dass das gemeint ist. Die Politik ruft die öffentliche Diskussion zu Hilfe, weil wir unsere Werte neu tarieren müssen, um das zu bleiben, was wir sind: freie Menschen in einer Gemeinschaft, als Individuum eigenwillig, aber mit kulturellen Wurzeln, die wir pflegen, um frei zu bleiben.

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