Noch steht nicht einmal fest, welche Mannschaften im kommenden Jahr bei der Fußball-WM aufeinander treffen, da duelliert sich die Fifa schon mit 150 deutschen Unternehmen vor Gericht. Über 800 Unternehmen weltweit hat der Fußball-Weltverband mit Abmahnungen, einstweiligen Verfügungen oder bestenfalls "einvernehmlich", wie es die Fifa nennt, daran gehindert, mit Begriffen wie "WM 2006" oder "Fußball-WM 2006" auf ihren Produkten zu werben. Prominentestes Beispiel: Ferrero. Der Süßwarenhersteller wirbt seit der WM 1982 in Italien mit den Sammelbildchen der deutschen Nationalspieler in jedem Duplo und Hanuta. Nur dieses Mal hat die Fifa was dagegen.

7. August 2002: Die Geschichte des Streits beginnt kurz nach der WM in Japan und Südkorea. Die Fifa meldet beim Deutschen Bundespatent- und Markenamt in München über 50 Begriffe und Logos zur Registrierung an, unter anderem auch die Marke "WM 2006". Das Markenamt, bei dem verschiedene Abteilungen für die einzelnen Produktklassen zuständig sind, vertritt zunächst die Meinung, dass sämtliche Marken nicht schutzfähig seien. Mitarbeiter des Amtes berichten, dass sie sich über das Ansinnen der Fifa schon sehr gewundert hätten. "Alle fühlten sich hier vom Antrag der Fifa überfahren."

20. März 2003: Das Markenamt trägt die Marken ein, "WM 2006" unter der Registernummer 30238936. Der Privatmann Bernd Carlos Jäcker, damals noch Leiter der Markenabteilung des Konsumgüterkonzerns Henkel, sagt: "WM 2006 – das kann sich keiner monopolisieren lassen, erst recht nicht ein gemeinnütziger Verein wie die Fifa". Die Marke hätte niemals eingetragen werden dürfen, sagt Christopher Scholz, Geschäftsführer des Markenverbandes in Wiesbaden. Der Weltverband verweist hingegen darauf, dass "dieses Vorgehen dem weltweit gebräuchlichen Standard zum Schutz der Eigentumsrechte an sportlichen Großveranstaltungen entspricht".

29. August 2003: Gemeinsam mit Ferrero, dem Münzhersteller BTN Versandhandel und dem Verein Kulturwerbung Nord entscheidet Jäcker, einen Löschungsantrag zu stellen, um die eingetragenen Marken wieder zu löschen. Konstantin Wegner von der Kanzlei Schwarz Kelwing Wicke Westpfahl, der die Kulturwerbung Nord vertritt, sagt: "Ein Begriff wie WM 2006 muss frei bleiben, allein schon, weil im kommenden Jahr auch die Reit-WM in Deutschland stattfindet."

Das Markenamt verweigert den beteiligten Anwälten zunächst die Einsicht in die Akte. Als die Beamten nach einer Beschwerde doch klein beigeben, fehlen 11 der 148 Seiten. Die Beamten erklären, dass es sich dabei um Seiten handele, die versehentlich den Weg in die Akte gefunden hätten. Allerdings stehe auf dem Deckblatt, die fehlenden Papiere seien im Bundesjustizministerium (BMJ). Das BMJ weist diesen Vorwurf zurück. Die Sprecherin von Justizministerin Brigitte Zypries, Eva Schmierer: "Unser Haus hat weder Originalakten angefordert, noch befinden sich solche bei unseren Akten."

Nach einer weiteren Beschwerde bekommen Ferreros Anwälte die fehlenden Seiten (zwei Briefe der Fifa an das BMJ, Stellungnahme des Markenamtes) formlos per Fax. Daraus geht hervor, dass die Fifa versucht hat, die Eintragung der Marken zu beeinflussen. "Die Fifa hat sich an das BMJ gewandt, um so etwas wie ein Olympiagesetz wie bei Leipzigs Bewerbung für die Spiele 2012 zu bekommen", sagt Jäcker. So drängt ein Fifa-Anwalt in einem Schreiben darauf, die Eintragung zu forcieren, im zweiten Brief bedankt er sich für das "Engagement". "Die Fifa hat nicht versucht, die Entscheidung des Markenamtes zu beeinflussen", sagt Gregor Lentze, Geschäftsführer der Fifa Marketing & TV Deutschland. Aber "selbstverständlich haben wir im Rahmen unserer Gespräche mit der Regierung auch die für uns sehr wichtige Frage der Eintragung der Fifa-Marken mit dem zuständigen Bundesministerium der Justiz thematisiert." Auch Schmierer widerspricht dem Vorwurf der Einflussnahme: "Die Fifa hat sich an unser Haus gewandt mit der Bitte, ihr Anliegen zu unterstützen. Dies ist kein ungewöhnlicher Vorgang." Die Ministerin habe daraufhin, "wie in solchen Fällen üblich", eine Sachstandsprüfung veranlasst. "Dabei wurde keinerlei Einfluss auf inhaltliche Entscheidungen der Mitarbeiter des Markenamtes ausgeübt. Auch ergab die Sachstandsprüfung keinerlei Grund für Beanstandungen der Arbeit des Patent- und Markenamtes durch das Ministerium."

24. und 25. Juni 2004: Beide Parteien erscheinen zur Anhörung beim Markenamt in München.

18. Oktober 2004: Die Behörde beschließt die Löschung sämtlicher von der Fifa eingetragenen Marken.

29. Oktober 2004: Gegen die Entscheidung legt die Fifa Beschwerde beim Bundespatentgericht in München ein.