Antisemiten in Teheran

Der Aufruf zum Völkermord kam mit der zynischen Nonchalance des Altrevoluzzers daher. Was er denn so Unerhörtes gesagt habe, wollte Irans Präsident Machmud Achmadineschad wissen, als im Ausland die Empörung hochkochte über seine Forderung, Israel müsse »von der Landkarte getilgt« werden.

Und tatsächlich ist der Ruf nach der »Auslöschung« Israels nicht der rhetorische Ausrutscher eines Provinz-Radikalinskis, der es zum Staatsoberhaupt gebracht hat und der das diplomatische Vokabular noch nicht beherrscht. Die iranischen Revolutionäre, die 1979 den Schah stürzten, haben vielmehr von Beginn an ein zweites Ziel verfolgt: Sie wollten die Juden ins Meer treiben. »Tod Amerika! Tod Israel!«, skandieren die Revolutionsgarden, aus deren Reihen Achmadineschad hervorgegangen ist, bis heute bei jedem Freitagsgebet. Zu Recht beruft sich der neue Präsident auf den »Imam« Chomeini, wenn er die arabischen Nachbarn vor der Anerkennung Israels warnt: »Die Führer dieser Länder werden im Feuer des Zornes der islamischen Nation verbrennen.«

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Mag sein Ton ruppiger sein, vom Ziel der Vernichtung Israels haben sich auch seine Vorgänger nicht distanziert. Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, der Expräsident, drohte im Dezember 2001 gar mit einem Nuklearschlag: »Eine einzige Atombombe würde Israel spurlos auslöschen.« Und der gelehrte Mohammed Chatami mied zwar Hasstiraden; am jährlichen »Jerusalem-Tag« marschierte aber auch er an der Spitze der Demonstranten mit.

Nein, es täusche sich niemand: Der Kampf gegen Israel bleibt iranische Staatsdoktrin. Im schäbigsten Nazi-Vokabular ist da vom zionistischen »Krebsgeschwür« die Rede, das aus der islamischen Welt entfernt werden müsse – so wie die NS-Führer Europa einst »judenrein« machen wollten. Gerade entdeckte ein Reporter der Süddeutschen Zeitung auf der Frankfurter Buchmesse an den Ständen iranischer Verlage antisemitische Machwerke wie die Protokolle der Weisen von Zion .

Antisemitische Hetze ist übel genug. Aber Iran unterstützt die Feinde Israels – Hamas und den Islamischen Dschihad in Palästina, die Hisbollah im Libanon – auch ganz handfest mit Geld und mit Waffen. Nun greift Teheran nach der Atombombe. Nicht nur für Israel ist dies eine apokalyptische Vorstellung. Niemals darf ein Regime über die Bombe verfügen, das wieder einen Teil der Welt »judenrein« machen möchte. Matthias Nass

 
Leser-Kommentare
  1. wie Frankreich und Deutschland, den Iran immer wieder politisch unterstützt haben. Weil man glaubte die USA auf dem Weltmarkt für Öl ein wenig austricksen zu können, hat man sich auf Wirtschaftsbeziehungen mit Saddam Hussein und den Mullahs eingelassen. Und weil China in diesem Spiel auch seine Finger drinnen hat, ist eine Verurteilung des Iran genauso unwahrscheinlich wie eine Resolution gegen den Sudan. Es ist nicht wirklich die iranische Atombombe, vor der ich mich fürchte, sonst hätte man seit Jahren ein wenig mehr Panik vor pakistanischen Umtrieben haben müssen. In Pakistan will eine maßgebliche islamistische Opposition ein Talibanregime errichten. Vor diesen Leuten muss man sich noch mehr fürchten, als vor dem Iran.

    • ArashM
    • 03.11.2005 um 16:58 Uhr

    Der vorliegende Artikel scheint niht genau genug recherchiert bzw. formuliert zu sein. Im Artikel werden anti-israelische Parolen und Antisemitismus gleichgesetzt. Das sind sie aber durchaus nicht. Während sich das Eine gegen den Staat Israel richtet (bzw. die zionistische Bewegung), so betrifft das Andere das Judentum an sich. Eine ähnliche Diskussion gibt es ja bereits in Deutschland bzw. Europa und dem Rest der Welt.
    Ich behaupte, dass sich die Äußerungen von Ahmadi-Neschad und auch die Haltung der iranischen Regierung auf den Staat Israel beziehen und nicht auf die Juden allgemein. Fakt ist, dass die Juden immer schon ein Teil der iranischen Geschichte waren und dass selbst jetzt nach der "islamischen Revolution" mehrere zehntausend Juden im Iran unbehelligt leben. Sie sind sogar als Minderheitengruppe im Parlament vertreten.
    Ich denke, dass es die "journalistische Hygiene" erfordert, diese zwei Sachverhalte, die zugegebenermaßen eng beieinander liegen, getrennt werden, obgleich mir klar ist, dass Viele, vor allem viele konservative Iraner, nicht unterscheiden bzw. den Unterschied nicht kennen.

    A.M.

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