Sascha Spoun

Ein Schweizer Hochschulreformer will die Uni Lüneburg in Schwung bringen

Lüneburg

Sascha Spoun hat einen Traum. Darin kommen vor: die Universität Lüneburg, internationale Forschungsprogramme, profilierte Publikationen, großzügige Sponsoren und ein Unipräsident Sascha Spoun. Dann wacht Sascha Spoun auf und merkt: Präsident der Universität Lüneburg ist er schon. Der Rest - nun ja, er fängt ja gerade erst an.

Bislang ist die Lüneburger Universität überregional allenfalls durch ihren notorisch zerstrittenen Lehrkörper aufgefallen. Erst letztes Jahr überstand Spouns nun aus Altersgründen ausgeschiedener Vorgänger nur knapp einen Abwahlantrag. Eine gut beleumundete Fakultät für Wirtschaftsrecht und Platz zwei im Hochschulranking des Naturschutzbundes, dank Recyclingpapier auf den Toiletten und Mehrwegflaschen in der Mensa - viel mehr Renommee hat Lüneburg bislang nicht zu bieten.

Sascha Spoun, davon ist Sascha Spoun fest überzeugt, wird das ändern. Zehn Jahre werde er brauchen, bis sich in Lüneburg wirklich etwas verändert hat - eine kühne Prognose, die sich auf die Erfahrung von immerhin 36 Lebensjahren stützen kann, von denen Spoun freilich sechs damit verbrachte, die Schweizer Renommieruniversität St. Gallen umzukrempeln. Bachelor, Master, internationale Kooperationen, Forschung und Ansehen: All das, was durch Spouns Lüneburg-Traum schwebt, ist in St. Gallen schon Wirklichkeit.

Nun waren in St. Gallen Prestige, internationale Verknüpfung und Alpenkulisse schon da, als Sascha Spoun kam. In Lüneburg fehlt alles: Geld, Reputation, Berge. Aber es gibt jetzt einen Präsidenten, der über die Internationalisierung von Universitäten promoviert hat. Der Rest, glaubt Spoun, wird kommen.

Und, siehe da, ein erstes Ziel hat er in Lüneburg schon erreicht: Mit seiner dialogorientierten Art, wie der Dekan der Erziehungswissenschaftler sagt, hat der Schweizer Überflieger die ganze Uni hinter sich geeint - eine erstaunliche Leistung. Lüneburg ist überzeugt. Jetzt muss Spoun nur noch den Rest der Welt von Lüneburg überzeugen.

 
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    • Serie -
    • Quelle DIE ZEIT, 45/2005
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