oekumene Jetzt doch evangelisch?

Neues zum Fall Klaus Berger

Der Pfad zur Ökumene führt nicht über faule Formelkompromisse und durch biografische Nebel, sondern allein über verschärfte Klarheit und Wahrheit. Doch die Selbstdarstellung des Theologen Klaus Berger wird von Wendung zu Wendung widersprüchlicher. Zuletzt bekannte er in der ZEIT (Nr. 44/05): »Nein, ich wollte immer katholisch sein.« Nun legt er dem Spiegel eine Urkunde vor, in der es heißt, er habe am 20. Oktober 1968 in Hamburg »an der Feier des Heiligen Abendmahls teilgenommen und ist dadurch Glied der evangelisch-lutherischen Kirche geworden«. Noch vor einem Monat hatte Berger die Unterstellung zurückgewiesen, er sei evangelisch, und geradezu beschworen: »Nie in meinem Leben habe ich protestantisches Abendmahl genommen, geschweige denn, dass ich ordiniert wäre.« Die Tatsache, dass er kein ordinierter evangelischer Geistlicher ist, hatte ihn wiederum nicht davon abgehalten, selbst noch in diesem Sommer energisch darauf zu bestehen, auf der Insel Amrum im geistlichen Talar als Kurpfarrer aufzutreten: Felix Krull auf der Kanzel?

Wäre Berger aber im Jahr 1968 endgültig zum Protestantismus konvertiert und evangelisch geblieben, wäre sein bisheriges öffentliches Vorbringen vollkommen sinnlos, wonach er 1974 mit einem katholischen Beichtvater insgeheim verabredet habe, er dürfe als treues Mitglied der katholischen Kirche evangelische Kirchensteuer bezahlen, um somit – »juristisch abgesichert« – eine Professur an der evangelischen Fakultät Heidelberg wahrzunehmen; Kardinal Ratzinger habe zu dieser Verabredung sein »theologisches nihil obstat« erteilt und werde dazu »sicherlich gerne Rede und Antwort stehen«.

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Mit Kierkegaard zu sprechen: Entweder – oder. Ein Übertritt von einer Kirche zu einer anderen beendet nach dem Recht beider Kirchen (und des Staates) zwingend die Mitgliedschaft in der anderen, entweder vorher oder aber Zug um Zug. Dennoch behauptet Berger noch immer: »Unwahr ist, dass ich jemals aus der katholischen Kirche ausgetreten wäre.« Was aber hat er dann an jenem Oktobertag des Jahres 1968 wirklich getan – und danach? Inzwischen macht Berger geltend, er sei vom Generalabt der Zisterzienser – »wiewohl glücklich verheiratet« – in die Familie dieses katholischen Ordens aufgenommen worden. Seit 1996 sei er »assoziierter Zisterzienser-Novize« im Kloster Bochum-Stiepel/Heiligenkreuz, jetzt sogar »Tertiar« dieses Ordens. Doch das eine wie das andere wäre nicht mit einer Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche zu vereinbaren.

Die Kritik an Bergers Horizontschleichereien hat nichts zu tun mit mangelnder Bereitschaft zur Ökumene. Nicht einmal seine Lehren stehen hier zur Debatte. Es geht allein darum, dass Berger, der der evangelischen Kirche höchst polemisch ökumenische Schlampereien vorwirft, wenigstens Klarheit und Wahrheit in seine biografisch verbogene »Ökumene« bringt – so er sich den Weg dazu nicht schon verbaut hat. Robert Leicht

 
Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    Wen interessiert das? Hat das angesichts der Probleme in der Welt irgendeine Relevanz?

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  • Quelle (c) DIE ZEIT 03.11.2005 Nr.45
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  • Schlagworte Katholische Kirche | Recht | Religion | Kirchensteuer | Heidelberg | Hamburg
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