Helena Bonham carter,39, wurde durch ihre Rolle in dem Film »Zimmer mit Aussicht« (1986) bekannt. Die Engländerin ist mit dem amerikanischen Regisseur Tim Burton liiert, in dessen neuem Trickfilm »The Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche« sie eine Hauptfigur synchronisierte. Hier erzählt Helena Bonham Carter von einem Traum, den sie vor der Geburt ihres Sohnes hatte.

Ich liebe den Schlaf. Ich liebe es, mit einer Wärmflasche ins Bett zu gehen, unter all den Daunen zu liegen und zu versinken, das ist das Entspannendste, was ich kenne. Ich schlafe viel und lang, wenn es geht, ich schlafe auch sofort ein, ein Augenblick, klick, dann bin ich weg. Das ist ja ein großes Talent, mein Mann, der Filmregisseur Tim Burton, zum Beispiel kann immer nur sehr schwer einschlafen, er schaut mir dann zu, wie ich träume, wie ich in eine Welt versinke, in die er mir nicht folgen kann.

Und das ist doch das Wunderbare an den Traumwelten. Du weißt nie, wo du ankommen wirst. Du bist auf ganz verschlungenen Pfaden unterwegs. Ich wüsste gern, wie das wirklich funktioniert. Das Hirn führt dich auf Wege, auf denen du vorher nie warst. Und dann kommst du doch an Orten raus, die du kennst. Ich träume zum Beispiel oft, dass ich wieder in der Schule bin. Eigentlich komisch, ich kann nicht sagen, dass ich besonders gern in der Schule war. Und trotzdem fühlt es sich gut an, in diese Zeit zurückzusteigen. Wahrscheinlich ist es nur dieses Gefühl, das so angenehm ist, dieses Gefühl, die Zeit umdrehen zu können, Herr zu sein über die Sekunden, die Wochen und Jahre.

Oft sind es natürlich auch Ängste, die meine Träume bestimmen – selbst wenn ich im wachen Zustand eigentlich kein so besonders ängstlicher Mensch bin. Aber seit ich einen Sohn habe, Billy Ray heißt er, hat sich das doch sehr verändert. Ich mache mir mehr Sorgen, auch in meinen Träumen, selbst bis in diese ureigensten Bezirke reicht sein Einfluss. Meine Mutter hat damals bei seiner Geburt gesagt, es wird so sein, als ob dein Leben entführt worden ist, es gehört einfach nicht mehr dir allein – und tatsächlich ist nichts mehr so wie früher. Die Beziehung zu meinem Mann ist eine andere, der Blick aufs Leben ist ein anderer, ich bin anders. Mein Sohn bringt das Kind in mir wieder zum Vorschein. Und was ich nie gedacht hätte: wie viel Spaß es macht, ein Kind zu haben. Was für ein großes Wunder das alles ist. Ich schaue ihm zu, wie er redet, er ist ein wenig exzentrisch, unser Billy Ray, wie er in seiner eigenen Sprache spricht, die Geheimsprache eines Zweijährigen eben, er ist in einer eigenen Welt und doch ganz bei uns. Und wenn er träumt, dann frage ich mich immer, wovon er denn gerade träumt, was denkt so ein kleines Kind, was weiß es denn schon von der Welt? Was ist in seinem kleinen Kopf drin? Es ist ein Wissen vor dem Wissen. Eben ein Traumwissen.

An dieses Wissen gelangt man nur im Schlaf. Ich träume die verschiedensten Dinge – was, das hängt von meiner Stimmung ab, wo ich gerade bin, wie es mir gerade geht. Aber meine Träume sind immer sehr lebendig, sehr real und farbig. Manchmal auch zu lebendig. Träume können von deinen Ängsten erzählen, sie können dich zu Gefühlen führen, die du sonst nicht kennst, sie können dich aber auch wieder auf die Spur bringen, wenn du schlingerst. Es ist faszinierend, und es ist ein Geschenk. Du gehst hinein, du gehst hinaus, das musst du genießen. Es ist fast wie ein Hotel. Du kannst jederzeit einchecken und wieder auschecken.

Der Traum, an den ich mich am besten erinnere, hat natürlich auch mit meinem Sohn zu tun. Genauer gesagt, mit seiner Geburt. Wenn man schwanger ist, hat man ja oft diese Angstträume: dass das Kind nicht einfach rauskommt, dass es aussieht wie jemand anders, dass etwas schief geht in diesem komplizierten Vorgang. Du bist so verletzlich in diesem Moment. Und es ist auch nicht ganz einfach, sich vorzustellen, wie das gehen soll: So eine Geburt ist ja ein bisschen so, als ob man ein Flaschenschiff aus der Flasche zaubern wollte.

Meine Schwangerschaft selbst war dabei gar nicht so kompliziert. Und ich bin auch gut darin, Schmerzen auszuhalten. Selbst wenn ich nicht wusste, was für Schmerzen das dann letztlich sein würden, das ist schon enorm! Kurz vor der Geburt von Billy Ray gab es dann auch noch etwas Aufregung, die Ärzte wollten schon einen Kaiserschnitt machen, ich war praktisch schon aufgeschnitten. Es ging doch auf die normale Art, mein Mann Tim war auch dabei, er fand die ganze Erfahrung ziemlich surreal, wie er später sagte, sehr verblüffend. Ich meine, er sucht ja in seinen Filmen auch das Absurde, das Surreale, aber so eine Geburt ist dann doch noch mal extremer als alle Kunst. Der Arzt hat jedenfalls nachher gesagt, er habe noch nie jemanden gesehen, der sich in so kurzer Zeit im Kreißsaal so verändert hat wie Tim.