Worauf waren Sie in diesen Tagen besonders stolz in Österreich?

Gerade angesichts der Nachrichten und der Bilder, die uns seit Tagen von Ausschreitungen und brennenden Autos in Frankreich berichten, halte ich es für besonders erfreulich, dass uns in Österreich eine derartige Entwicklung offensichtlich nicht droht. Ich sage bewusst ganz Österreich, weil es ja viele Städte gibt, in denen beträchtlich große Gruppen von Ausländern leben. Mit all ihren Problemen funktioniert bei uns aber die Integration von Ausländern in die Gesellschaft. Vor allem auch deswegen, weil wir es vermeiden konnten, dass sich in den Städten reine Ausländerghettos herausgebildet haben, in denen Jugendliche und ganze Bevölkerungsgruppen abgekapselt und ohne Perspektive leben müssen. Offensichtlich ist auch unser Schul- und Ausbildungssystem wesentlich integrativer als in vielen anderen europäischen Ländern. Das ist besonders wichtig, weil man jungen Leuten, die in einer kritischen sozialen Situation heranwachsen, stets vermitteln muss, dass sie Zukunftschancen besitzen und es vor allem an ihnen liegt, diese auch zu nutzen.

Wovon sind Sie in Österreich besonders enttäuscht worden?

Ich finde es deprimierend, dass es noch immer nicht zu unterschätzende Gruppen gibt, die fremdenfeindlichen Ressentiments zugänglich sind. Das haben ja zuletzt wieder die Wiener Landtagswahlen deutlich vor Augen geführt. Enttäuschend ist es in diesem Zusammenhang, dass dann diese Ressentiments nach wie vor parteipolitisch instrumentalisiert werden. Es müssten viel mehr verantwortungsvolle Positionen bezogen und alle Anstrengungen unternommen werden, um das friedfertige Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen zu fördern – selbst wenn sich dadurch nicht unbedingt immer auch kurzfristige Erfolge erzielen lassen. Es geht um Aufklärung, Hilfe, konkrete Initiativen. Pauschale Verhetzung ist da mehr als nur kontraproduktiv.

Und hat Sie irgendetwas besonders amüsiert?

Na ja, merkwürdig waren die Vorschläge, die da im Zusammenhang mit der Schwerarbeiterregelung gemacht worden sind, schon: dass man zum Beweis von geleisteteter Schwerarbeit heute Kalorien zählen will, die jemand vor zehn Jahren verbraucht haben soll.