Es ist ein erfreuliches und bemerkenswertes Phänomen, wie beliebt und verbreitet die ZEIT schon bisher in Österreich war und ist. Seit langem halten ihr Zehntausende die Treue. Wie wir aus vielen Zuschriften wissen, sind die Leser hier besonders neugierig, aufmerksam und kritisch, zumal wenn es um österreichische Themen geht. Deshalb ist es uns eine besondere Freude, dass wir an dieser Stelle künftig jede Woche zwei Seiten präsentieren können, die sich ausschließlich mit Österreich beschäftigen.

Die ZEIT will nicht nur eine deutsche, sondern vor allem eine deutschsprachige Wochenzeitung sein. Die meisten kennen den gerne zitierten Spruch, wonach Deutschland und Österreich nichts so sehr trenne wie die gemeinsame Sprache. Ich glaube aber, dass dieses Bonmot mittlerweile weder auf das Wesen noch auf die Praxis des Verhältnisses der beiden Länder zutrifft.

In diesem Jahr wurde, um nur ein Beispiel zu nennen, in Frankfurt zum ersten Mal der Deutsche Buchpreis verliehen, mit dem der beste deutschsprachige Roman des Jahres ausgezeichnet werden soll. Dieser wurde von dem Vorarlberger Arno Geiger in Wien geschrieben und erzählt eine betont wienerische Familiengeschichte. Österreich ist Deutschland näher gerückt, und umgekehrt sind die Deutschen den Österreichern näher gekommen. Sie reisen nicht mehr hauptsächlich als Touristen in ihr Nachbarland, sondern sie siedeln sich vermehrt in Österreich an, um dort zu studieren oder zu arbeiten, wie das vor ihnen schon viele Österreicher in Deutschland gemacht haben.

Dadurch werden die Verflechtungen enger. Und auch die gegenseitige Neugierde wächst. Im kommenden Jahr wird Österreich, wenn es die EU-Ratspräsidentschaft in einer kritischen Phase übernimmt, noch stärker in den Blickpunkt des europäischen Interesses rücken. Die österreichische Agenda wird dann eine europäische sein. Was in Wien erreicht wird oder scheitert, wird sich am Ende auf die gesamte Union auswirken.

Darüber hinaus werden zwei herausragende Figuren der europäischen Kultur- und Geistesgeschichte nächstes Jahr Österreich besonders beschäftigen. Der 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart und der 150. Geburtstag von Sigmund Freud werden Anlass bieten, sich mit dem kulturellen Erbe und dem geistigen Leben des Landes und des Kontinents auseinander zu setzen. Einen Auftakt dazu bildet das neue, Mozart gewidmete Heft ZEIT Geschichte. Es wird der nächsten Ausgabe (Nr. 47) beiliegen.

Die intensive Beschäftigung mit Österreich setzt voraus, dass wir nicht nur von Hamburg aus verfolgen, was in unserem Nachbarland geschieht. Deshalb haben wir in Wien ein neues Redaktionsbüro eingerichtet. Von hier aus hat die ZEIT künftig ein wachsames Auge auf die Ereignisse in Österreich. Investigative Recherchen, unabhängige Berichte, kritische Meinungen und packende Reportagen sind gerade im deutschsprachigen Journalismus eine Tradition, auf die wir stolz sein können. Die ZEIT gehört zu den wenigen Institutionen, die diese Werte über Generationen hinweg etabliert und bewahrt hat. Und es ist offenkundig, dass gerade die österreichischen Leser dies besonders zu schätzen wissen. Anders sind die hohen Verkaufszahlen einer norddeutschen Zeitung in diesem Land nicht zu erklären. Es gibt indes noch so viel zu entdecken für die ZEIT in Österreich. Und für die Österreicher in der ZEIT.