Es geht ihm jetzt ziemlich gut. Mit Mitte 30, sagt Arno Geiger, sei aber das Durchducken durch die Erfordernisse des Alltags, dieses mühsame Fort- und Weiterwursteln auch nicht mehr das Wahre gewesen. Einen "steinigen Weg" nennt er das.

Wenn einer, der nichts anderes kann und auch nichts anderes will als die Schriftstellerei, über 15 Jahre lang beharrlich immer weiterschreibt und dabei nicht weiß, ob er eines Tages Licht am Ende des Tunnels sehen wird. Wenn einer nicht viel von der Welt zu Gesicht bekommt und darauf verzichtet, überall gegenwärtig zu sein, sondern ein Stubenhocker ist und sich als "Außenstehender" empfindet und nur zu sich selbst finden kann, wenn er sich in seiner Erzählungen zurecht- und wiederfindet. Wenn einer sich sofort an einen Roman wagt und neun Jahre lang daran feilt und ihn an die 20-mal umarbeitet. Wenn es einer mit seinen Büchern zwar immer wieder in eine Stichwahl in literarischen Wettbewerben schafft, aber dann letztlich doch jedes Mal unterliegt. Wenn einer von seinem dritten Roman gerade mal 2000 Exemplare verkauft hat und demzufolge auch kein Verlag an den Taschenbuchrechten Interesse zeigt.

"Schmal durchschlüpfen", sagt Arno Geiger, "das habe ich gelernt."

Vor wenigen Monaten noch erhielt er einen Brief vom Finanzamt. Er möge bekannt geben, wovon er eigentlich seinen Lebensunterhalt bestreite, forderte die Behörde und witterte in den lächerlich geringen Summen, zu denen sich seine Steuererklärung bekannte, den Versuch einer Hinterziehung. Es fiel dem unscheinbaren Literaten nicht sonderlich schwer, dem misstrauischen Beamten glaubhaft zu machen, dass er tatsächlich mehr oder weniger von der Hand in den Mund lebe.

Niemand darf glauben, er begreife mehr als ein mittelgroßes Wirtshaus

Vor drei Wochen stand Arno Geiger dann aber am Frankfurter Römer mitten im Scheinwerferlicht eines Fernsehspektakels. Die Akademie Deutscher Buchpreis prämierte mit 25000 Euro erstmals den besten deutschsprachigen Roman, und unter 150 Nominierungen hatte sich Arno Geigers vierter Roman Es geht uns gut in dem Juryverfahren gegen alle Favoriten durchgesetzt. Seine "reizende Dankesrede", lobte die Frankfurter Rundschau, habe der Autor "in einer Schüchternheit, die keinesfalls kokett wirkte" gehalten. Mittlerweile ist das Buch bereits auf Rang acht der Bestsellerliste des Spiegels hochgeklettert, und demnächst wird sich der Finanzbeamte in seinem Büro in der Wiener Kriehubergasse 24 wohl ungläubig die Augen reiben.