Lange Zeit hielt er sich vornehm zurück. Neuerdings sagt er deutlich, was ihn stört. Der Chef der Deutschen Telekom Kai-Uwe Ricke findet, dass sein Unternehmen zu stark reguliert wird. Er will künftig für seinen Konzern in Anspruch nehmen, was anderen Topmanagern selbstverständlich ist: Wenn es Innovatives aus dem Hause Telekom gibt, möchte Ricke von Pioniergewinnen profitieren, ohne dass er seine Konkurrenten von Anfang an daran beteiligen muss. Die zeigen sich – aus nachvollziehbaren Gründen – entsetzt. Die Telekom-Rivalen fürchten, dass es Ricke allein darum geht, auf neuen Märkten das alte Monopol zu beleben. Der Telekom-Chef hingegen beteuert, das Unternehmen nur zukunftsfest machen und Arbeitsplätze retten zu wollen.

Der tiefe Konflikt zeigt einmal mehr, wie schwer es ist, Märkte zu schaffen, wo zuvor nie welche waren. Dabei geht es um alle großen Infrastrukturen des Landes: Die flächendeckenden Leitungen der Strom-, Gas- und Wasserwirtschaft zählen dazu. Und eben die Telekommunikation. Selbst im achten Jahr der Liberalisierung gibt es dort noch keinen stabilen Wettbewerb. Noch immer muss eine Behörde, sie heißt inzwischen Bundesnetzagentur, den Markt staatlich lenken. Das wäre gar nicht zu beklagen, hätten sich nicht so viele Prophezeiungen als Irrtum entpuppt.

Eine herbe Enttäuschung ist, dass eines der verlockendsten Versprechen nicht in Erfüllung ging: Die Öffnung des Marktes schaffe mehr Arbeitsplätze, hieß es unisono. Tatsächlich aber werden bei der Telekom bis zum Jahre 2008 nahezu 150.000 Stellen vernichtet sein. Ein Grund dafür liegt zwar in arbeitsplatzsparenden Technologien. Doch viele der bislang schon verloren gegangenen 120.000 Jobs beim Exmonopolisten sind dem politisch gewollten Umsatzschwund zugunsten der Konkurrenten geschuldet. Die aber schufen nur 50.000 neue Stellen – einschließlich der Mitarbeiter im Mobilfunk, die ihre Beschäftigung keineswegs der Liberalisierung im Festnetz verdanken.

Jetzt müssen bei der Telekom weitere 32.000 Mitarbeiter gehen. Darunter etwa 20.000 Beamte – den Segen der neuen Bundesregierung vorausgesetzt. Sie gälten als Erblast, die als schwere Hypothek mitgeschleppt würden, heißt es immer wieder in der Presse. Vergessen wird leicht, dass eben sie es waren, die hierzulande eines der weltweit modernsten Fernmeldenetze aufgebaut haben. Rund ein Dutzend Reorganisationen ließen sie über sich ergehen. Doch Beamte sind eben teurer als Kräfte vom freien Markt. Deshalb müssen jetzt möglichst viele aufs Altenteil, egal wie jung sie sind.

Der Wettbewerb nutze allen Verbrauchern, lautete ein weiteres Versprechen. Das wurde wenigstens zum Teil eingelöst. Heute zahlen die Deutschen fürs Telefonieren nur noch einen Bruchteil jener Gebühren, die zu Monopolzeiten fällig wurden. Aber schon bei den schnellen Internet-Zugängen via DSL oder Fernsehkabel zeigt sich, dass vom wahren Wettbewerb jetzt nur noch die Bewohner in einzelnen Regionen oder Ballungsgebieten profitieren. Wer Pech hat, findet keine Anbieter mehr, weil die sich – einschließlich Telekom – nur noch auf Gegenden konzentrieren, die profitable Geschäfte versprechen.

Ganz daneben lagen jene Protagonisten, die sich von der Liberalisierung einen Schub bei Investitionen und Innovationen erhofften. Wirklich Neues schuf kaum eine der neuen Telefongesellschaften. Die meisten setzten auf Imitation statt auf Innovation. Die Folge: ein ruinöser Preiskampf, der für die Zukunft nichts Gutes ahnen lässt. Technischer Fortschritt will finanziert sein. Doch die engen Margen auf dem Markt lassen dafür kaum Spielraum.