SPD und Union wollen das Jurastudium nicht auf die Abschlüsse Bachelor und Master umstellen. Kein Bedarf, heißt es laut Handelsblatt im Entwurf für den Koalitionsvertrag. Damit gefährden die Abgeordneten - zu einem großen Teil selbst Juristen - eines der größten Hochschulreformprojekte. Die europaweit verabredete Harmonisierung aller Studienabschlüsse bis 2010, der so genannte Bologna-Prozess, soll Abbrecherraten senken, Studienzeiten verkürzen, das Studium internationaler machen. Er bedeutet aber auch den Abschied von vertrauten Titeln, Traditionen, Studieninhalten - zum Beispiel in der Rechtswissenschaft. Nicht erst seit Beginn des Bologna-Prozesses, seit Jahrzehnten schon stemmen sich die Juristen gegen die überfällige Modernisierung und tun weiter so, als werde jeder Absolvent am Ende Richter.

Ihr Laufbahndenken gefährdet mehr als die Zukunft der Juristenausbildung: Sollte die Entscheidung es in den Koalitionsvertrag schaffen, könnte sie auf andere Fächer abstrahlen. Schon jetzt bremsen die Lobbyisten der Mediziner, Lehrer und Ingenieure in Sachen Bologna, wo sie nur können. Die gute Nachricht: Noch ist es möglich, den fatalen Beschluss rückgängig zu machen.