: Dampf ablassen

Der französische Innenminister Nicolas Sarkozy sagte über die Pariser Vororte, in denen Jugendliche Nacht für Nacht Autos anzünden und sich mit der Polizei prügeln, man solle diese Gegend nettoyer au Karcher, wörtlich: reinigen mit dem Kärcher, jenem deutschen Hochdruckreiniger. Das Zitat hat ob mangelnder Zartheit europaweit für Aufsehen gesorgt. Was sagt der Sprecher der Firma im schwäbischen Winnenden dazu?

DIE ZEIT: Herr Schad, fühlen Sie sich geehrt durch Sarkozys Zitat?

Frank Schad: Wir sind ja nicht erst durch ihn in Frankreich bekannt geworden.

Wir hatten schon vorher einen Bekanntheitsgrad von fast 100 Prozent. Es stimmt auch nicht, dass wir seither in Frankreich mehr von unseren Reinigern verkaufen, wie es hieß. Es gab keinen Sprung im Umsatz, weder nach unten noch nach oben. Nettoyer au karcher oder karcheriser sind in Frankreich bekannte Wörter, regelrechte Gattungsnamen.

ZEIT: Und durch Sarkozy wird das Kärchern nun auch in Deutschland bekannt.

Schad: Im deutschsprachigen Raum ist Kärchern noch nicht ganz so geläufig - außer interessanterweise in Ostdeutschland und in der Schweiz. Im Westen heißt Hochdruckreinigen stattdessen noch häufig, vor allem auf dem Bau: Abdampfen oder Dampfstrahlen. Das ist nicht mehr korrekt, da Dampf beim Hochdruckreiniger heute nur noch in Spezialfällen eine Rolle spielt.

ZEIT: Es gibt für Sie keinen Grund, Sarkozy einen bösen Brief zu schreiben?

Schad: Es ist das gutes Recht von Sarkozy, die französische Sprache zu benutzen, wie er möchte. Da können wir ihm keine Vorschriften machen. Sarkozy hat die Geräteklasse gemeint, nicht unser Unternehmen.