Alexander Rost war ein großer Blattmacher.Von ihnen lebt eine Zeitung ebenso sehr wie von Leitartiklern und Reportern.Im bunten Zeitungsgewerbe hat er sich auf vielen Posten getummelt.Er war ein beweglicher Mann und steckte seine Nase in alles, was ihm auffiel.In der ZEIT war er von 1965 bis 1971 Chef des Modernen Lebens.Unter seiner Stabführung entwickelte das Ressort ein Profil, das viele Nachahmer fand.Seine Idee war Tratschke, ihm fiel die Logelei ein, und er stellte Witze ins Blatt, obwoh l er schon vorher wusste, dass er sie hinterher in der Blattkonferenz verteidigen musste.Er war lustig, gebildet und erfinderisch und bleibt den Schreibern, die mit ihm arbeiteten, als großer Ermutiger und Anreger in Erinnerung.Als Redakteur holte e r aus ihnen das heraus, was sie eigentlich sagen wollten.Seine bullerigbärbeißige Seemannsattitüde - im Krieg war er bei der Marine - verdeckte nur notdürftig eine zartbesaitete Seele und einen bescheidenen Menschen.Manchmal fiel ihm das auch selbst auf, dann seufzte er: Warum gebe ich immer anderen Tipps und schreibe die Artikel nicht selber?Im Gedächtnis bleibt auch, wie vorurteilsfrei und unbefangen er im Umgang mit Journalistinnen war.Vor dreißig Jahren war das ungewöhnlich.Er trieb sie an und traute ihnen viel zu.Die schönsten Serien dachte er sich für sie aus (Der Staat ganz unten und Die Journalisten).Sie verdanken ihm viel.Im Alter von achtzig Jahren ist er am vergangenen Sonntag gestorben.