Zwei Rücktritte in nur anderthalb Jahren. Christine Licci, Deutschlands bekanntester Bankerin, ist das Glück nicht mehr hold. Meisterhaft ist jedoch nach wie vor die Inszenierung. Im Windschatten von Gerüchten zweier weiterer Abwanderungen aus dem Vorstand der HypoVereinsbank (HVB) lancierte die Ex-Deutschlandchefin der Citibank geschickt ihren Rücktritt. Und schaffte es damit, die öffentliche Debatte auf das Chaos in der Führungsetage der HVB zu lenken, die gerade recht unsanft von der italienischen UniCredit übernommen wird.

Dabei war spätestens seit dem Eklat Ende Juli klar, dass ihre Tage in Deutschlands zweitgrößter Bank gezählt sind, wie Insider berichten. Damals hatte sie sich bei ihren Vorstandskollegen für eine interne E-Mail an ihre Mitarbeiter entschuldigen müssen. Die Mail war an die Öffentlichkeit gelangt.

Darin hatte sie sich beklagt, dass das Ergebnis ihrer Privatkundensparte schlechter dargestellt werde, als es tatsächlich gewesen sei. Aber auch der flapsige Hinweis vor Journalisten, wenn sie nicht Deutschlandchefin der übernommenen HVB werde, werde sie die Bank verlassen (eine Change-of-Control-Klausel mache dies möglich), hat für Ärger gesorgt - und ihr praktisch allen Rückhalt entzogen. Jetzt wird sie dank der Change-of-Control-Klausel weich fallen und rund drei Millionen Euro als Abgangsgeld mitnehmen dürfen, heißt es in ihrem Umfeld. Diese Klausel wird in Vorstandsverträgen zunehmend üblich. Sie besagt, dass die Vorstandsmitglieder bei einer Übernahme das Recht haben, samt Abfindung ihren alten Arbeitgeber zu verlassen.

Schlimmer als der Abgang Liccis wird in München die Entscheidung von Stefan Jentsch empfunden, ebenfalls der Bank den Rücken zu kehren. Der 44-jährige Investmentbanker galt als Gewinner der Übernahme, weil er das Investmentbanking im UniCredit-Konzern von München aus führen sollte. Seine Abteilung wäre das stärkste Asset der Münchner im neuen Konzern geworden.

Jentsch soll an der Sturheit der italienischen Seite verzweifelt sein, heißt es in Bankenkreisen. Der mögliche dritte Abgang, Firmenkunden-Chef Johann Berger, ist noch im Vorstand - und wartet weiter auf Entscheidungen der neuen Herren aus Italien.