Am 3. Oktober wurde nicht nur in Zagreb gefeiert. Als für Kroatien an diesem Tag die Beitrittsverhandlungen mit der EU begannen, ging auch für andere Länder des Balkans die Tür nach Europa ein Stückchen weiter auf. Es wird viele Jahre dauern, bevor sie am Brüssler Tisch Platz nehmen dürfen – dass sie kommen, ist aber wahrscheinlicher geworden.

Politisch und wirtschaftlich ist ein Beitritt der Staaten Südosteuropas sinnvoll. Rumänien und Bulgarien werden 2007 oder 2008 Mitglied im Club, Kroatien möglicherweise ein oder zwei Jahre später. Würde der Balkan dann keine Beitrittsperspektive haben, verbliebe im Herzen des europäischen Südostens eine auch weiterhin von ethnischen Konflikten, Armut und Kriminalität dominierte Enklave – keine gute Aussicht für ökonomische und politische Stabilität. "Eine EU-Perspektive dagegen ist Motor für Reform und Wandel", sagt der Zagreber Politologe Damir Grubisa.

Mit Serbien und Montenegro hat die EU bereits Gespräche über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen begonnen, das als Vorstufe zum Kandidatenstatus gilt. Auch mit Bosnien-Herzegowina laufen Verhandlungen. Weit vorangeschritten sind die Diskussionen zwischen Brüssel und Makedonien, über dessen Kandidatur die EU-Regierungschefs vielleicht schon im Dezember entscheiden.

Freilich lauern genügend Fallstricke. Ohne politische Lösungen etwa in der Kosovo-Frage werde auch eine EU-Perspektive keinen Fortschritt bringen, meint der Politikwissenschaftler Nenad Zakosek, der für die Friedrich-Ebert-Stiftung in Zagreb den Balkan beobachtet. Dazu kommt die wirtschaftliche Rückständigkeit – Makedonien etwa hat ein Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 2000 Euro im Jahr.

Insgesamt jedoch dürfte es auf Dauer billiger sein, den Balkan innerhalb der EU zu befrieden als außerhalb. Nach Jahren des Krieges werden alte Wirtschaftskontakte schon jetzt wieder neu geknüpft. Eine kroatische Firma übernahm kürzlich eine serbische Eiscremefabrik. Nicht viel, aber immerhin. Ten