Bei den meisten Verträgen stehen die Gemeinheiten im Kleingedruckten, der flüchtige Leser entdeckt sie nicht. Bei den Vereinbarungen der künftigen Regierungsparteien ist es umgekehrt: Man muss ziemlich lange suchen, um Erfreuliches zu finden.

Unmöglich ist es aber nicht. Zu den Pluspunkten zählt, dass beide Volksparteien bei der Demografiedebatte dazugelernt haben. Früher fühlten sich ausschließlich die Rentenpolitiker zuständig. Dann entdeckten die Haushälter das Thema Generationengerechtigkeit für sich. Als Hans Eichel zu Beginn der rot-grünen Regierungszeit sein Sparpaket präsentierte, kam der Begriff Nachhaltigkeit in Mode.

Inzwischen ist das Sparen weniger populär. Dafür ziehen andere Fachpolitiker nach. Der künftige Arbeitsminister Franz Müntefering will die absurd niedrige Erwerbsbeteiligung der über 55-Jährigen erhöhen, über kaum ein Thema redet er so viel. Die designierte Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) will einen Großteil ihrer Mittel in die Alzheimer-Forschung stecken. In Amerika steht die Forschungspolitik schon seit längerem im Zentrum der Demografiedebatte. Die Lobbyisten der Babyboomer-Generation betonen, dass ihre Lebensqualität im Alter durch kaum etwas so gesteigert werden könne wie durch Erfolge der Alzheimer-Therapie.

Zwar tut sich in anderen Bereichen, etwa der Pflege, zu wenig. Und für Schlagzeilen sorgt immer noch die klassische Rentenpolitik – mit den Ankündigungen von Nullrunden und der "Rente ab 67". Dennoch sieht es so aus, als ob sich ausgerechnet das Kabinett der bisher jüngsten Kanzlerin besonders für das Alter interessierte.