Bis dieses Ich schließlich heimkehrt nach Vilnius. Dort aber, "bis ich auferstand nachdem ich das bewußtsein wiedererlangt hatte", erkennt es nichts wieder. Die Heimat Litauen ist ihm unter neueuropäischem Blickwinkel fremd, ist zur Randregion der Europäischen Union geworden.

Der zweite Teil von Aus ungeschriebenen Geschichten ist ein Versuch, sich der unmittelbaren Lebenswelt wieder anzunähern. Dabei ist es Alisanka wichtig, "keinerlei illusionen" aufkommen zu lassen. Er weiß, dass der bis vor kurzem unentbehrlichen nationalen Identität heute erneut der Boden entzogen wird, dass Dichter und Dichtung durch das überzogene Marktdenken als "geschädigte" aus der Globalisierung entlassen werden, dass man heute "weniger über sich mehr über geld" nachdenkt.

Diese Gedichte sind auf der Höhe unserer Zeit

Als Lyriker und als Chefredakteur des Literaturmagazins Vilnius Review, das litauische Literatur in englischer Übersetzung vorstellt, ist er sich aber auch der Chancen bewusst, die gerade einer kleinen, "meist unsichtbaren Literatur auf der Landkarte der Weltliteratur" daraus erwachsen, dass sie aus der nationalen Abschottung ausbricht. Vielleicht, so schreibt er in einem der Vorworte des Magazins, liegt das Potenzial Europas sowohl in der Vielfalt als auch im Austausch seiner Kulturen, vielleicht kommt es darauf an, Europäer zu werden und trotzdem Litauer zu bleiben. Die Gedichte von Eugenijus Alisanka sind beides, litauisch und europäisch. Sie sind auf der Höhe unserer Zeit.