Eine Zeitmaschine ist dieser Bass. Das satte, für unsere Hörgewohnheit eher konturenarme Dröhnen, diese Wärme, die aus dem dicken Frequenzbauch strahlt. Gerade so wie damals in jenem Sommer, als alle Welt von Liebe fabulierte und sich im mächtigen Backbeat wiegte. Und auch die Gitarre ist wieder da. Dieses unbändige Kreischen, Quietschen, Singen, dieser Drang nach vorn, immer weiter ins Ungewisse, diese selbstverständliche Zuversicht, auch wenn ringsumher alle Fundamente zusammenbrechen. Er war ein Gitarrist, der alle Verheißungen der Zeit, der Liebe, Freiheit und Sex in seinem Klang bündelte: Jimi Hendrix, am 18. September 1970 im Alter von 28 Jahren gestorben.

"Man kann Jimi Hendrix nicht kopieren", schreibt Bert Noglik im Booklet zu Jimi, der CD, mit der der Schweizer Gitarrist Christy Doran zusammen mit Fredy Studer, seinem langjährigen Partner am Schlagzeug, der Baseler Vokalistin Erika Stucky und der schwarzen Bassistin Kim Clarke, der Legende huldigen. "Man kann ihn nur im Geist der Tradition neu erfinden." Die vier wagen sich nah heran an die Vorlage. Dorans Stratocaster klingt wie einst im Mai die echte, Studer trommelt, von Dämonen gehetzt, und der kinetische Nachdruck von Kim Clarkes Bass wischt jede Noel-Redding-Nostalgie vom Tisch. Erika Stucky singt dazu wie die virtuelle Zusammenfassung des Hippie-Zeitalters: mal distanziert und introvertiert in Hendrix-Art, dann im Dozententonfall des "Lizard King" Jim Morrison, um schließlich als Wiedergängerin von Grace Slick abzuheben. Vieles klingt original, und doch ist alles anders. Eine Frage von Details, von winzigen Brüchen, durch die eine andere Erfahrungswelt in diese Musik einkehrt und den Bezugsrahmen verändert. Die Ikone der Woodstock-Generation ist passé, im Fokus steht der musikalische Visionär Hendrix, dessen Ideen hier im Off des großen Pop-Interesses weiter ausgespielt werden. Ganz selbstverständlich dürfen die vier Musiker über alle Stränge schlagen, dürfen auch garstige Klänge wie das Wimmern und Fiepen von Electronica oder Straßenlärm als vollwertige Bestandteile in ihrer Musik emanzipieren. Jimi lebt und geht im Dezember auf Tournee!