Lüchow-Dannenberg

Bis vor einem Jahr war Hans-Jörg Peters aus Nemitz im Landkreis Lüchow-Dannenberg ein typischer wendländischer Bauer. Auf seinen Äckern geht es ökologisch zu. Den Hof ziert, wie viele andere in der Region, das riesige X der hiesigen Atomkraftgegner. Und wenn alle Jahre wieder der Castor mit den abgebrannten Brennelementen kommt, um, so lautet hier die herrschende Lehre, Tod und Verderben in den Landkreis zu bringen, dann setzt Peters sich selbstverständlich auf seinen Trecker und führt zusammen mit den anderen Landwirten der Bäuerlichen Notgemeinschaft den Zug der Demonstranten an.

So war es lange, und, das meinen im Landkreis Lüchow-Dannenberg fast alle, es war gut so. Doch vor einem Jahr tat Peters sich mit drei anderen Bauern zusammen, um hinter seinem Hof in Nemitz, da, wo die Hofweiden in die freie Landschaft übergehen, eine Biogasanlage zu bauen. Seither ist nichts mehr, wie es war.

Biobauer Peters hatte mit dem Beifall seiner Nachbarn gerechnet. Immerhin 500 Kilowatt reinsten Ökostroms sollte seine Heidegas GbR liefern und zusätzlich noch ein Dutzend Häuser mit Warmwasser versorgen. Es gibt Alternativen zum Atomstrom - hier sollte, einmal mehr, der Beweis erbracht werden. Ich dachte, sagt Peters, die werden mir alle auf die Schultern klopfen.

Welch ein Irrtum!

Kaum drangen die Pläne der Landwirte an die Öffentlichkeit, erhob sich ein Proteststurm. Die vage und völlig unbegründete Angst vor einer möglichen Geruchsbelästigung schlug sich in Unterschriftensammlungen und Leserbriefen an die örtliche Zeitung nieder. Am härtesten traf es Peters, dass zu den lautesten Gegnern seiner Biogasanlage alte Freunde gehörten, Atomkraftgegner wie er selbst, einige von ihnen sogar Mitglieder der Bäuerlichen Notgemeinschaft. Fassungslos las er, was seine in der Betroffenheitsrhetorik des Gorleben-Protests geübten Nachbarn nun in einem Nemitzer Appell zu Papier gebracht hatten: Seine Biogasanlage, so stand es dort schwarz auf weiß, bedrohe ihre Lebens- und Existenzgrundlagen.

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