Es klingt kurios, doch statistische Daten von Versicherungsunternehmen belegen es: Optimisten schließen nicht nur häufiger private Rentenversicherungen ab als andere Menschen oder bevorzugen bei Rentenbeginn eher die Verrentung ihres Kapitals statt dessen Auszahlung. Sie leben auch tatsächlich länger als der Durchschnitt. Die Versicherungsbranche nennt das adverse Selektion. Für die Assekuranz ist das durchaus ein Problem. Denn diese natürliche Selbstauslese der Versicherten führt dazu, dass die Unternehmen unter ihren Rentenversicherten viel mehr Langlebige haben, als es die Durchschnittszahlen vermuten lassen.

Erklären lässt sich das Phänomen so: Meist sind es Höherverdienende und Gesündere, die Rentenversicherungen abschließen, hat die Versichererbranche ermittelt, und solche Leute, die in ihrer Lebensplanung davon ausgehen, tatsächlich alt zu werden. Wer dem Alter gegenüber eine optimistische Grundhaltung an den Tag legt, baut nicht nur vor. Die positive Einstellung wirkt in der Regel auch wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung und führt dazu, dass Frohnaturen wirklich länger leben als ihre Altersgenossen.

Zahlreiche internationale Studien haben das bewiesen.

So belegten Experimente der Universitäten von Wisconsin und Kalifornien, dass Optimismus die Immunabwehr beflügelt und den Menschen wehrhafter gegen Krankheitserreger macht. Lachen kurble auch die Produktion von Stressabbau-Hormonen an und lasse Optimisten nach Operationen sogar schneller genesen, bestärkt eine Studie aus Berlin. Insgesamt wirke sich das positive Denken sogar stärker auf den Körper aus als Sport oder der Verzicht aufs Rauchen, bekräftigt eine Studie der Universität Yale. Diese stellt fest: Wer gern ans Älterwerden denkt, lebt 7,5 Jahre länger.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine holländische Untersuchung: Optimisten haben danach in jeder Altersklasse ein etwa halb so großes Sterberisiko und erliegen vor allem Herzkrankheiten deutlich seltener als Pessimisten. Eine US-Studie kommt zu dem Schluss, dass zuversichtliche Menschen zudem seltener Opfer eines Gewalt- oder Unfalltodes werden. Als Grund vermuten Forscher, dass Frohnaturen bessere psychische Bewältigungsstrategien haben, um mit Problemen fertig zu werden, und sich zudem seltener Gefahren aussetzen.

Die Daten der deutschen Aktuare bestätigen diese Forschungsergebnisse: Laut DAV haben deutsche Männer im Schnitt eine Lebenserwartung von 81 Jahren, Frauen eine von 88 Jahren. Für Kunden mit privater Rentenversicherung aber ermittelten die Aktuare 2004 aus Daten der Münchener Rück eine deutlich höhere Lebenserwartung: Männliche Privatrentner werden danach im Schnitt fünf, weibliche drei Jahre älter. Die Einzigen, die darüber wohl nicht lachen können, sind die, die die Renten zahlen müssen.