politisches buch Kritik in Kürze

Tag für Tag

Nach wie vor beschäftigt das Ende Adolf Hitlers die Öffentlichkeit ebenso wie die Geschichtswissenschaft. Unterschiedliche Methoden bieten sich an, um diese von Legenden umrankte und von Widersprüchen begleitete Geschichte im Führerbunker unter der Reichskanzlei darzustellen. Joachim Fest hat vor einiger Zeit den Versuch unternommen, das Besondere mit dem Allgemeinen zu verbinden, nämlich das von Hitler herbeigeführte Inferno des »Dritten Reiches« als den »Untergang« einer atemverschlagenden Karriere vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert zu deuten.

Der Journalist Mario Frank wählt einen anderen Weg. Er unterbreitet eine Chronik der letzten zwölf Tage in der umkämpf- ten »Reichshauptstadt«. Sie beginnt am 20. April 1945, als der Diktator in dem bereits in Reichweite der Roten Armee liegenden Berlin seinen 56. Geburtstag feierte. Sie endet am 1. Mai, an dem der seinem »Führer« fanatisch ergebene Reichspropagandaminister Joseph Goebbels und seine Frau gemeinsam Selbstmord begingen, nachdem Magda Goebbels zuvor ihre sechs Kinder umgebracht hatte.

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Der Vorzug der neuen Darstellung liegt darin, dass sie, ohne die grundlegende Dokumentation von Anton Joachimsthaler über »Hitlers Ende« zu übertreffen, die letzten Tage der Existenz des Diktators sorgfältig rekonstruiert und dazu zahlreiche mit dem Gegenstand verwandte Publikationen von ganz unterschiedlicher Herkunft auswertet. Entstanden ist eine Tag für Tag über den Ablauf der Ereignisse berichtende Reportage.

Über die Auseinandersetzung mit den Tätern hinaus ist, bevorzugt im Blick auf das schwer heimgesuchte Berlin, auch vom Leiden der Zivilbevölkerung die Rede. Mehr noch: Am Ende eines jeden Tages findet sich eine Geschichte, die aus allen Teilen des untergehenden Reiches vom Morden der Schergen des Regimes kurz vor Toresschluss oder von der Befreiung überlebender Insassen der Konzentrationslager durch die vorrückenden Siegermächte erzählt. Insgesamt erinnert die Lektüre der von Mario Frank unterbreiteten Chronik Seite um Seite an das einsichtsvolle Wort, mit dem der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, die spezifische Befindlichkeit der Deutschen im Mai 1945 umschrieben hat: Sie waren in der Tat »erlöst und vernichtet in einem«.

Der Tod im FührerbunkerPolitisches BuchHitlers letzte TageMario FrankBuchSiedler Verlag2005München22336
 
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