politisches buch Verlorene IllusionenSeite 3/3
Heinrich Himmler protegiert seine Brüder und fädelt die Flucht ihrer Familien vor den alliierten Bombenangriffen ein; umgekehrt revanchieren sich Gebhard, Abteilungsleiter im Reichserziehungsministerium, und Ernst, der quasi als Technischer Direktor beim Rundfunk amtiert, mit diversen Gefälligkeiten. So schreckt Ernst Himmler 1944 nicht davor zurück, auf Nachfrage aus dem RSHA eine »nichtarische Fachkraft« abzuqualifizieren und damit der Deportation auszuliefern.
Baldur von Schirach und die Gebrüder Himmler entstammten einer Elite, die Verstand und Wissen zur Blüte brachte, während ihre Menschlichkeit verdorrte. »Schützt Humanismus denn vor gar nichts?«, fragte Alfred Andersch 1980 entgeistert, die Herkunft Heinrich Himmlers vor Augen. Fünfundzwanzig Jahre und viele Recherchen später kann es nur eine Antwort auf diese Frage geben: Sie lautet nein.
- Datum 10.11.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 10.11.2005 Nr.46
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Ein früherer Schüler, dem ich in einer Buchhandlung wieder begegne, liest mir aus einem Buch vor, das er vor meiner Einsichtnahme verborgen hält:
"Aber die Vernehmung wird einen ganz anderen Verlauf nehmen, und er wird erklären müssen, warum er 1942 an einer Sitzung teilgenommen hat, in der das Schicksal der Juden zur Sprache gekommen ist, und so zumindest zum Mitwisser wurde.“ "Hier S. 11!", legt er noch lächelnd nach.
Ich lasse mir das nochmals vorlesen. Ich rätsele: "Das meint doch 1942 und die Wannseekonferenz?" Dann schlagen wir nach: Richard von Schirach: Der Schatten meines Vaters. Neuausgabe 2011, S. 11. -
Dümmlich oder beschönigend diese Redeweise vom "Schicksal der Juden", statt zu formuliern, dass es 1942 um die sog. "Endlösung" bzw. ihre Dürchführung ging? Also eine implizite Entschuldung, obwohl Kritik an dem hier gemeinten Nürnberger Prozess nicht explizit festgehalten wird?
Ich vermute mal: "Schicksal der Juden" ist eine dumme Wortwahl und Relikt einer früheren Arbeitsstufe.
Ich kaufe das Buch. (Wir quatschen weiter...) Ich lese zu Hause, auch hier in der ZEIT, die Rezension.
DAnke für den erklärenden und kritischen Text der Frau Weickmann.
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