Porträt »Das geht auf keine Kuhhaut«Seite 4/4

ZEIT: Mit Sorge beobachten Sie auch die Probleme, die sich ergeben, wenn die Chinesen so viel Energie verbrauchen wollen wie die Amerikaner.

Diamond: Der Welt droht ein Engpass. In den USA nahm die Öffentlichkeit vom chinesischen Energiehunger vor sechs Monaten erstmals richtig Notiz. Unerhörtes ereignete sich da: China versuchte, die Ölgesellschaft Occidental zu kaufen. Es kam nicht dazu. Aber das hat uns erschreckt.

ZEIT: Die Chinesen kaufen Amerika?

Diamond: Zum Einkaufen dürfen sie gerne kommen, aber dass sie uns gleich eine Erdölgesellschaft wegschnappen, geht auf keine Kuhhaut.

ZEIT: Die möchten eben auch alle ein Auto.

Diamond: Erreicht der Pro-Kopf-Erdölverbrauch das Niveau von Europa und den USA, heißt das: Verdoppelung. Es gibt sehr viele Chinesen.

ZEIT: Haben Sie eigentlich Feinde?

Diamond: Auf beiden Seiten. Rechts die Rassisten und jene Ökonomen, die in einer Welt mit begrenzten Ressourcen an das ewige Wachstum glauben. Meine Gegner auf der Linken pflegen zu sagen: Jared Diamond schläft in einem Bett mit den großen Unternehmen. Dazu sage ich: Wer die wichtigsten Kräfte der Welt nicht besser verstehen und mit ihnen arbeiten möchte, wo es möglich ist, der soll auf einen anderen Planeten ziehen.

ZEIT: Sie loben immerhin Dikatoren wie Balaguer, den Herrscher über die Dominikanische Republik.

Diamond: Ich sage nur, dass in einigen Fällen Diktatoren, die sonst übel sind, vernünftige Umweltpolitik betreiben, siehe Suharto in Indonesien. Oder Balaguers Vorgänger Trujillo. Der hat doch eine vernünftige Waldpolitik betrieben – aus eigenem Interesse. Er wollte davon reich werden.

ZEIT: Und welcher Gutmensch hat umgekehrt schlechte Politik gemacht?

Diamond: Unser Expräsident Carter. Der Gute war als Politiker nicht erfolgreich. Andernfalls wäre Ronald Reagan nicht Präsident geworden. Das nehme ich ihm übel. Und Al Gore – einem höchst intelligenten Mann – nehme ich übel, dass er uns George W. Bush nicht erspart hat. Wäre Gore doch ein besserer Politiker gewesen…

ZEIT: Bekommen wir von Ihnen noch ein schlechtes Wort über Deutschland zu hören?

Diamond: Die Raserei auf der Autobahn. Das ist krank, verrückt, gefährlich. Mit 200 Stundenkilometern fünf Meter hinter dem anderen zu fahren: kompletter Wahnsinn.

Die Fragen stellte Urs Willmann

 
Leser-Kommentare
  1. Wer im Glashaus sitzt...
    Nach der Katastrophe von New Orleans sind die Schuldzuweisungen in vollem Gange. Wer, wann, wie versagt hat, wird in den nächsten Monaten besser beurteilt werden können. Umweltschützer, die sofort George Bush und seine Umwelt-Politik für das Desaster verantwortlich machten, geraten jetzt selbst in den Focus. Als das „U.S. Army Corps of Engineers“ in den siebziger Jahren die Stadt durch massive Schutzbauten mit Fluttoren schützen wollte, zogen Umweltgruppen gegen die Pläne erfolgreich vor Gericht: Feuchtgebiete und Ökosysteme würden durch die Bauten geschädigt. Die ganze Story berichtet FrontPageMagazine: http://frontpagemag.com/A...
    Diese erhellende Information habe ich dankenswerter Weise auf www.achgut.de gefunden. Ich wünschte mir mehr davon, da von einseitiger Darstellung überflutet.

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