ZEIT:Manderlay wurde von Pauline Réages Buch Geschichte der O . inspiriert. In diesem Roman wird das Sklavendasein als sexuelle Unterdrückungsfantasie inszeniert. Auch Ihre weiße Filmheldin sehnt sich nach erotischer Unterwerfung. Vermischen Sie da nicht zwei Ebenen?

von Trier: Ich bin davon überzeugt, dass sich das Sexuelle und das Politische im menschlichen Bewusstsein nicht unbedingt trennen lassen.

ZEIT: Aber warum muss sich Grace, die Heldin von Manderlay, nach dem starken schwarzen Mann sehnen?

von Trier: Warum denn nicht?

ZEIT: Es ist einfach ein bisschen billig.

von Trier: Sexuelle Fantasien sind meistens billig.

ZEIT: Trotzdem ist es seltsam, dass Sie innerhalb eines Films, der versucht, alle Klischees zu hinterfragen, ausgerechnet eine abgedroschene Pornofantasie verwenden.

von Trier: Sie könnten mich ein bisschen ernster nehmen. Ich bin kein pubertierender Junge.

ZEIT: Sie sitzen hier in einem ehemaligen Kasernenhangar. Sie tragen Militärklamotten, und auf dem Hof steht ein Panzer. Sie inszenieren doch auch Ihre eigene Männlichkeitsfantasie.