Der Brief der Rechtsabteilung, unterzeichnet vom Präsidenten der TU Darmstadt persönlich, war deutlich. "Leider sehe ich keine Möglichkeit, die Einschreibfrist zu verlängern", schrieb Johann-Dietrich Wörner. Das war’s für Sven Essert, 20, aus Dieburg: trotz Einser-Abi, eines Jahrs Schülerstudium und zweier Semester Fernstudium parallel zum Zivildienst kein Studienplatz in Darmstadt. "Ich habe einen Fehler gemacht", sagt Essert. "Aber ich kapiere nicht, warum die Bürokratie so unflexibel reagieren muss." Wörner sagt: aus Gründen der Gleichbehandlung. "Bürokratie ist auch ein Stück Rechtssicherheit, und die müssen wir unbedingt einhalten."

Was war passiert: Essert hatte sich nach dem Abi zum Fernstudium an der TU Kaiserslautern eingeschrieben und in seiner Freizeit Scheine gesammelt. Zielstrebig habe er sein wollen, wie Uni-Präsidenten es fordern. Doch ihm unterlief ein Irrtum. Er dachte, für sein nach der Zivizeit geplantes Physikstudium an der angesehenen TU Darmstadt könne er sich zu Semesterbeginn einschreiben wie jeder andere, da es keine Zulassungsbeschränkung gebe. Weit gefehlt, wie ihn die Uni-Bürokratie im September belehrte, sein Fernstudium sei ein reguläres Studium gewesen, es handele sich daher um einen Ortswechsel, Stichtag: 15. Juli.

Ein Pochen auf Fristen wäre verständlich, wäre der betroffene Studiengang überlaufen. Doch die Physiker freuen sich über jeden Studenten, zumal einen wie Essert. "Das kann nicht angehen, haben wir gedacht", sagt Prodekan Friedemann Kaiser. Gespräche zwischen den engagierten Professoren und der Rechtsabteilung brachten kein Umdenken, dabei lief das Semester noch gar nicht. Einziges Angebot: Essert könne sich als Gasthörer einschreiben, ohne Studentenausweis, ohne Recht auf Kindergeld und Bafög. "Als Belohnung dafür, dass ich mich doppelt angestrengt habe", sagt Essert. Ohne den Extraeinsatz per Fernstudium hätte er sich problemlos einschreiben können. So vertreibt man Studenten.

Zum Glück beweist die TU Kaiserslautern, dass es anders geht. Als die dortigen Beamten von Esserts Lage erfuhren, bogen sie Paragrafen zurecht, immatrikulierten den begabten jungen Mann und erließen ihm die 15 Euro Strafgebühr fürs Verpassen der Einschreibfrist – als "Willkommensgruß".