Hamburg

Und die Frauen haben dasselbe zu beanspruchen, wozu sie verpflichtet sind, und zwar in rechtlicher Weise. Doch die Männer stehen eine Stufe über ihnen.

So lehrte es Mohammed der Prophet, so schrieb er es nieder in der berühmten Sure 2:228 des Korans. Oder schrieb er das nicht? War es bloß der deutsche Islamwissenschaftler Rudi Paret, der diese Ansicht im Jahre 1966 formulierte?

Meinte der Prophet womöglich, dass die Männer eine Stufe höher bei den Pflichten stünden, wie es eine neuere Übersetzung aus Kairo nahe legt? Am Dienstag dieser Woche war ein Hamburger Amtsgericht mit diesem hoch theologischen Konflikt befasst. Gelöst hat es ihn nicht.

Die Fotojournalistin Ulla Kimmig hatte das Hamburger Völkerkundemuseum verklagt. Ulla Kimmig hatte in dem Museum Fotos aus dem Iran ausgestellt, eindrucksvolle Bilder, die viele Facetten des Geschlechterverhältnisses im Vorderen Orient zeigen. Und mit fachkundigem Beistand des renommierten Hamburger Orient-Instituts hatte sie die Texte zu ihren Bildern ausgewählt, darunter erwähnte Sure in der Übersetzung des namhaften Islamwissenschaftlers Paret.

Durfte sie das? Die Ausstellung war ein Erfolg. Und das öffentliche Interesse wurde nicht geringer, als eine Besucherin Krach schlug. Die damalige Generalkonsulin Ägyptens beschwerte sich bei Museumsdirektor Wulf Köpke über Sure 2:228, wobei ihre Kritik selbstverständlich nicht dem Urheber, sondern dem Übersetzer galt. Er zeichne ein verzerrtes Bild der Frau im Islam.

Wer nun annahm, das Museum würde sich vor seine Künstlerin stellen, der sah sich getäuscht. Direktor Köpke ließ die strittige Sure eilig entfernen und stellte später sogar eine Tafel am Eingang auf, mit der das Museum sich von der gesamten Ausstellung distanzierte.