Pritzwalk

Funkelnagelneu erstreckt sich der Sportplatz vor märkischem Himmel, Tartanbahn und Kunstrasenplatz inklusive. Kosten: eine halbe Million Euro.

Schade nur, dass der Prignitzer Kreistag just am Tag der Bauabnahme das Ende der Schule beschloss, der dieser Platz zugedacht war. Von 2006 an soll die Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe Pritzwalk keine Siebtklässler mehr aufnehmen dürfen. Tod auf Raten, nennt es Robert Gemmel, Vorsitzender des Fördervereins. Dagegen protestieren nun Eltern und Schüler, und sie sorgen mit Streik und Demonstrationen für Aufruhr in der sonst so beschaulichen Kleinstadt. Geholfen hat alles nichts.

Bloß ein Schildbürgerstreich? Nein, es geht um weit mehr als um diese eine Schule. Es geht um Bildungspolitik.

Brandenburg im Herbst. Während Deutschland sich auf Matthias Platzeck als neuen Chef der SPD einstellt, glänzt dessen Bundesland im Licht der aktuellen Pisa-Studie. Nirgendwo sonst in Deutschland, ergab die Untersuchung der Bildungsforscher, werden Kinder aus sozial schwachen Familien so wenig benachteiligt wie hier. Allein, der Befund könnte schon überholt sein. Denn zum Zeitpunkt der Untersuchung im Jahr 2003 war noch fast jede zweite Brandenburger Schule eine Gesamtschule. Und anders als in westlichen Bundesländern boykottiert das Bürgertum des Landes diesen Schultyp nicht.

Welch eine Chance, dem Vorbild Finnland nachzueifern! Doch während der Ministerpräsident öffentlich noch mit dem finnischen Modell kokettiert, arbeitet seine Große Koalition zielstrebig an der Abschaffung der brandenburgischen Gesamtschulen - gut möglich also, dass die Verhältnisse in diesem Bundesland, würden sie heute untersucht, dem traurigen deutschen Durchschnitt schon beträchtlich näher kämen.

Die Völkerwanderung gen Westen und der Nachwendeknick in der Geburtenkurve zwingen die Brandenburger Schulen, um die wenigen verbliebenen Schüler zu konkurrieren. Dass dabei nicht zwangsläufig die schlechtesten Schulen unterliegen, zeigt der Fall Pritzwalk. Denn paradoxerweise soll die Gesamtschule geschlossen werden, gerade weil sie bei Schülern und Eltern einen guten Ruf genießt. Dadurch, sagen ihre Gegner, gefährde sie die nahegelegene Oberschule und das Gymnasium. Erstere fürchtet, im nächsten und übernächsten Jahr nicht genügend Siebtklässler abzubekommen, das Gymnasium bangt um 50 Elftklässler zum Aufbau einer Oberstufe. Nun sind aber Gymnasium und Oberschule die Favoriten des Kreistags und des Landrats Hans Lange (CDU).