WIEN Furchtlos in den AbendSeite 2/2

Hanak: Wir finden hier ein beachtliches Modell vor, das sich von anderen westeuropäischen Staaten deutlich unterscheidet. Bis heute arbeitet die Stadt mit relativ wenig Privatinitiative der Bürger. Es gibt nur einen geringen Bedarf an Mitbestimmung. Die meisten Reformen kommen noch immer von oben – und den Leuten gefällt das gut. In skandinavischen Städten ist das völlig anders.

ZEIT: Obrigkeitsstaatlicher Wohlfahrtsstaat also?

Hanak: Es ist erstaunlich, dass sich diese Strukturen halten. Es fragt sich, was passiert, wenn sie irgendwann doch unter Druck kommen sollten.

ZEIT: Wohnungsmarkt zähmen, Müllabfuhr stärken, kommunale Wohnbauten in wohlhabende Viertel einpflanzen, Reformen von oben – ein Erfolgsrezept für andere Städte?

Hanak: Man wird das Wiener Modell nicht einfach exportieren können. Es beruht auf einer Reihe historischer Entwicklungen, die nicht unbedingt geplant waren, aber letztlich doch ganz angenehme Wirkungen entfaltet haben. Die große Mehrzahl der Bürger vertraut dem System. Auch die so genannten globalen Ängste vor Terrorismus oder Umweltkatastrophen beeindrucken die Wiener kaum. Sie sagen: »Uns geht’s ganz gut, und die großen Probleme der Welt sind anderswo!«

Die Fragen stellte Florian Klenk

 
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