Kein Satz von Gisela Freisinger bringt ihre Arbeit an dem Buch Hubert Burda - Der Medienfürst besser auf den Punkt: Ein Prosit auf Liebe und Hass! Die Leidenschaft hat sie zur tragenden Facette ihres Buches über einen Verleger gemacht, der mehr als 200 Zeitschriften herausgibt, vom Magazin Focus über die Bunte bis zum Ratgeberheft Mein schöner Garten.

Es ist die Geschichte über den Aufstieg eines Unternehmersohns aus Offenburg zu einem der größten Medienunternehmer dieses Landes.

Mit feurig lackierten Fingernägeln durchwühlen die Redakteurinnen von Aenne Burdas Modenverlag in den fünfziger Jahren den kindlichen Haarschopf des jungen Hubert Burda. Ob es nun eine ausspricht oder nicht, so spüren sie doch: Der Hubert hat die Leichtigkeit, aber auch das leicht Tragische des Südens ... an diesem Tag denkt Hubert Schniggo Burda nur eins: Ich will. Ich kann. Ich werde. Ja, aber was denn? Nicht Fünfter sein! Nicht Letzter sein!

Nicht Kleinster sein! In diesen Sätzen stecken alle Stärken des Buches, aber auch manches, was den Leser grübeln lässt. Wie kann eine Autorin im Jahr 2005 so über die Gedanken von Menschen vor einem halben Jahrhundert schreiben?

Hier wie an vielen anderen Stellen lässt sich die Autorin Gisela Freisinger von ihrer eigenen Schreiblust forttragen und schweift ins Literarische aus. Puristen würden sagen, sie gleitet dorthin ab.

Keine Frage, Freisinger kann wunderbar mit Sprache umgehen und fängt Charaktere liebevoll ein. Das gilt besonders für die Stärken und Schwächen der Hauptperson, Hubert Burda: sein jugendlich warmes Herz, seine visionäre Ader, sein unbedingter Wille, Verleger zu werden, und das, was er in seiner Familie hat erdulden müssen (und aus freien Stücken erduldet hat), um an die Spitze zu kommen. Für all das findet Freisinger immer neue Formulierungen.

Gleichzeitig ist sie präzise, ohne boshaft zu werden, wenn sie die Schwächen von Burda beschreibt, wenn sie seine Eitel- und seine Ängstlichkeit, sein Misstrauen gegenüber Mitarbeitern und sein autokratisches Talent schildert.