Erst schlägt der Polizist dem Teenager ins Gesicht, dann drückt er dessen Kopf in Richtung Kamera und sagt: Schaut. Das ist das neue Gesicht Frankreichs. Schön, was? Der Reporterin Antonia Rados ist die Szene unangenehm. Sie unterbricht den Dreh, zeigt die Bilder aber trotzdem in einer Reportage auf n-tv. Große Aufregung. In Deutschland, aber vor allem auch in Frankreich. Ein deutsche Reporterin zeigt gewalttätige französische Polizisten. Wie unangenehm! Rados lebt seit zehn Jahren in Paris, aber erst jetzt entdeckt sie den fremden Planeten: die Vorstädte. Harlem sei in Paris angekommen, sagt sie. In jeder normalen ruhigen Nacht werden in Frankreich rund 150 Autos angezündet. Zurzeit sind die Nächte doch deutlich unruhiger als normal. Die Teenager spielten mit der Polizei Katz und Maus, sagt Rados. Plötzlich tauchen sie auf. Zünden eine Mülltonne, ein Auto, eine Schule an. Dann verschwinden sie wieder. Die Feuerwehr wartet auf die Polizei, bevor sie sich traut zu löschen. Die Polizei ist überfordert und mittlerweile übermüdet. Es sind viel zu wenige Polizisten im Einsatz. Rados ist selbst jede Nacht in der Banlieue unterwegs. Verteidigen möchte sie die Polizisten trotzdem nicht. Sie werden dafür doch ausgebildet. Viele allerdings wüssten sich auch zu beherrschen. Manche schlagen zu. Andere versuchen zu beruhigen.