koalition Jetzt mal im ErnstSeite 3/3

Nun wäre es übertrieben, die Regierung gleich zur Avantgarde zu erklären. Aber sie kann mit einem neuen, nüchternen, maßvollen Stil einen Trend setzen und Vertrauen gewinnen, das sich allein über die Reformen nicht erwerben lässt. Denn die ökonomischen Erfolge, die Vertrauen schaffen könnten, setzen eines schon voraus: Vertrauen. Die neue Regierung braucht also Erfolge zweiter Ordnung. Die lassen sich nach diesem Jahr 2005 schon dann erzielen, wenn die Große Koalition Ruhe ins Regieren bringt, etwas Ordnung auch, vor allem aber, wenn sie den Eindruck erweckt, dass es ihr um etwas anderes geht als nur um sich selbst.

CDU, CSU und SPD haben Frieden miteinander geschlossen und sich zu einer Großen Koalition zusammengetan. Das war schwer. Nun müssen sie die Große Koalition mit den Bürgern schließen. Das wird noch schwerer. Aber schwer, das können Merkel und Müntefering ja. Sie haben es 250 Tage lang geübt.

Anzeige

 
Leser-Kommentare
  1. Die Politik hat uns drastisch und überlange die minimal
    erkennbaren Höhen und großen und radikalen Tiefen des
    Parteienlebens vorgeführt; nannte ihre Darstellungskünste
    entweder "Regieren", oder "Opponieren". Um die verursachten
    Kosten hat sich keiner mehr gekümmert. Anschreiben, bitte!

    Die politische Garde hat sich erneuert? Auswechselspieler,
    würden die Fußballer sagen.

    Der Koalitionsvertrag liest sich wie eine Verordnung;
    viel Geschriebenes soll planvolles Nachdenken als
    Überschrift erhalten?

    Das Kleingedruckte - und noch mehr - die unverhandelten und
    noch ungeschriebenen Fußnoten werden bald ihr gemeines
    Gesicht zeigen.

    Die Tabu-Liste der führenden Klasse ist - sehr viel feiner
    durchdacht - vorhanden, auch wenn sie nicht öffentlich
    geschrieben steht.

    Parteiorder und Kapital- und Klasseninteressen lassen für
    das Volk nur den Bolzplatz frei.

    Eine lädierte Presse müht sich in Dreschflegelkritik.
    Besinnung-wann? Die Wirtschaftsbosse lassen in ihrem Sinne
    flegeln und stöhnen dem Volk weiter die zu geringen
    Gewinnmargen vor.

    Das politische Mieder der Koalition ist schon von den
    Sachzwängen auf Stufe "Luftnot" geschnürt. Da fehlt nur
    noch ein richtiger Hustenanfall bis ein Luftflügel
    kollabiert.

    Man darf nicht vergessen, die Spieler haben schon
    etliche "englische Wochen" hinter sich!
    Einige Heimspiele stehen auch noch ins Haus.

    Deutschland ist ein Hochdruckkochtopf ohne
    Sicherheitsventil geworden.

    Übrigens, die Eitlen und Effekthascher sind uns erhalten
    geblieben, nur die Namen haben sich geändert.

  2. Sehr geehrter Herr Ulrich,
    wieder einmal ein Kommentar von Ihnen, der uns voll aus dem Herzen spricht !
    Wie mutig und deshalb heute wie selten halten Sie auch bei Ihrer Zunft mit Kritik nicht zurück. Bravo !
    Mit freundlichen Grüßen
    Anne und Axel Böttcher

    • rawe64
    • 17.11.2005 um 10:46 Uhr

    Besser kann man die aktuelle politische Situation und die Akteure kaum beschreiben:

    "Die Brutalität der Ereignisse hat diejenigen Politiker aussortiert, die den neuen Anforderungen einer Politik in Zeiten der Knappheit nicht gewachsen sind, weil es ihnen an Disziplin und Ernsthaftigkeit fehlt, weil sie zu viel Aufmerksamkeit erregten für zu wenig Effekt."

  3. Ein Storry, leicht und locker lesbar. Keine fundierte politische Analyse eines Hauptstadt-Journalisten. Niedriger Grad an Fakten-Orientierung. Teilweise Konstruiert. llustrierten-Niveau. Schade.

  4. Der Mensch ist der Geschichten erzählende Affe, Pan narrans. Diesem Gedanken folgend sollte man auch die Diskussion betrachten, zu der Herr Ulrich hier seinen Beitrag leistet. Da kommen ein paar Leute und sagen: Ihr seid schlecht, ihr könnt es nicht, ihr seid langsam, ihr hindert uns am raschen Gelderwerb. Da gibt es einen Herrn Westerwelle, den man erfinden müsste, hätte er nicht schon bildhaften Namen: niemand bisher versuchte krampfhafter auf dem zu surfen, was ihm als Zeitgeist verkauft wurde, als er. Einmal war da ein Kanzler, der keine Ahnung hatte, was er nun mit all der Macht anfangen sollte, die er doch so angestrebt hatte. Eine andere Partei, die so genannte Opposition, war zu der Zeit mächtig beschäftigt mit der Überwältigung ihres pfälzisch selbstgefälligen Erbes. Und weil niemand im Stande oder willens war zu widersprechen, tönte umso lauter und eindringlicher die Stimme derer, die riefen: Ihr müsst reformieren! Ihr könnt es nicht! Wir gehen alle unter, wenn wir, die euch das sagen, nicht endlich grenzenlos verdienen können!

    Und jetzt? "Die Staatsverschuldung!" rufen die Geschichtenerzähler, und "Niemand wird gerettet, wenn wir nicht alle verzichten!" Wovor errettet eigentlich? Vor der Macht der Deutschen Bank? Vor der Speisekarte des IWF? Neulich erst haben die "reichen" Nationen einen großzügigen Schuldenerlass für die dritte Welt beschlossen. Was hindert uns eigentlich daran, zu sagen: "Hört mal, ihr Banken: F****t euch alle mal ins Knie mit euren Forderungen. Wir zahlen nicht mehr. Und nachdem Ihr auch nur juristische Personen seid: was wollt ihr tun?"

    Aber das wäre eine andere Geschichte, und es ist - seltsam, seltsam - nicht opportun, sie zu erzählen.

  5. So wie der Autor es sagt, es kann einfach nicht angehen, wenn die deutsche Politik ihre Maßstäbe bricht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service