Wettbewerb AufstiegshoffnungSeite 3/3

Auch die Exzellenzinitiative hält der Volkswirt im Grunde für eine Täuschung. Da würden »Löcher gestopft«, welche die Politik zuvor gerissen habe. Im Wettbewerb mit den Elitenuniversitäten der Welt habe Heidelberg kaum eine Chance. Als er in Australien oder Kanada lehrte, musste er höchstens sechs Stunden unterrichten, in Heidelberg sind es jetzt neun. Vor lauter Korrekturen von Klausuren komme er kaum noch dazu, einen wissenschaftlichen Fachaufsatz zu lesen. »Wir kämpfen aus einem tiefen Loch gegen jemanden, der auf einem Berg steht.«

In manchem stimmen Rektor Hommelhoff und Professor Eichberger sogar überein. Allein die ETH Zürich kann pro Student fast dreimal, eine amerikanische Elitehochschule fünfmal so viel Geld ausgeben wie Heidelberg. Dennoch kann Hommelhoff es sich nicht leisten zu klagen. Die Stellung des Rektors hat sich geändert. Neue Hochschulgesetze haben ihn vom akademischen Grüßaugust und Moderator der Interessen zum Vorstandschef des Unternehmens Universität befördert. Und der muss vor allem eins: nach innen Stärke zeigen, nach außen Optimismus verbreiten. »Der Exzellenzwettbewerb hat etwas bewegt, was ich nicht für möglich gehalten habe. Den Schwung muss man nutzen.«

Anzeige

Immerhin, es geht voran: Beim jüngsten Ranking der englischen Times hat sich Heidelberg im Vergleich zum letzten Mal um zwei Plätze vorgeschoben: von Platz 47 auf Platz 45.

Zum Forschungsranking 2005 »

 
Leser-Kommentare
    • phelia
    • 17.11.2005 um 17:25 Uhr

    Als Studentin der Universitaet Heidelberg faende ich es wunderbar, wenn Herr Hommelhoff wirklich einmal das taete, was er angeblich will: Die Lehre verbessern. Was der geneigte ZEIT-Leser aus dem Interview naemlich nicht erfuhr ist, dass die Universitaet - bei vorhandenem Geldmangel - 150.000 Euro fuer eine Vertraeglichkeitsstudie fuer eine weitere Bruecke ueber den Neckar - ueber deren Sinn sich streiten laeszt - ausgab, ohne dass sie dazu verpflichtet war. Nur als Gegebeispiel: Die Baenke in der Neuen Uni am Uniplatz stammen teilweise immer noch aus dem Jahr 1909.
    Weiterhin waere es vielleicht intelligent, den Plan, eines Aufsichtsrats fuer die Uni, der aus 6 Personen - 4 aus der Wirtschaft, zwei, die fuer Studenten, Mitarbeiter und Professoren der Uni sprechen - aufzugeben und die Mitbestimmung der Studentenschaft zu verbesern. Dieser Aufsichtsrat soll auch ueber Lehrplaene bestimmen.
    Ich faende es persoenlich besser, wieder ein Bild einer Universitaet zu entwerfen, die sich nicht an Wirtschaftlichkeit, sondern an der Lehre messen laesst.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service