Genosse ForscherSeite 4/4

Walter hört leises Murren, hält inne, hebt den Zeigefinger, sagt, er habe Trost dabei. Alle 31 Sekunden sterbe ein CDU-Wähler. Es wird gelacht, aber mäßig. Walter fragt, weshalb alle so mürrisch guckten. Eine Genossin sagt, die CDU grabe an der Stammklientel der SPD, diese von der Leyen, was könne man schon großartig gegen die sagen? Walter erwidert, die verkörpere doch nur einen kleinen, großstädtischen Teil der CDU. Die Genossen widersprechen. So geht es noch eine Weile, der Waltersche Trost wird beherzt zurückgewiesen. Franz Walter sagt am Ende, er würde gern zwischen Linkspartei und SPD vermitteln, er biete das als Parteienforscher ausdrücklich an. Niemand geht auf seinen Vorschlag ein, Walter wird höflich verabschiedet.

Kurz darauf sitzt er in einem Café vor dem Rathaus, es ist früher Nachmittag. Er faltet die Hände und sagt: »Was für eine Partei, was für Leute! Die wollen gar keine Perspektive, keine Aufmunterung. Wie jemand, der gepeitscht wird und ausruft: Peitsch weiter!« Dass sein Ratschlag, die Genossen sollten mit der Linkspartei koalieren, den politischen Selbstmord der SPD bedeuten würde, glaubt er nicht. Die Sonne scheint mit satter Kraft auf die Elbe, gerade so, als sei es Frühling. Zwei Tage später wird Müntefering gestürzt.

 
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