Es ist unsäglich. Seit Wochen streiten in Washington Kongress und Regierung, ob Folter zu den erlaubten Methoden der Gefangenenbefragung gehören darf. Anfang Oktober hatte der Senat einen Zusatzantrag des Republikaners John McCain zum Etat-Entwurf des Pentagon angenommen, wonach "grausame, unmenschliche oder erniedrigende" Verhörmethoden nicht zulässig seien. Das Weiße Haus drohte sofort mit einem Veto.

Ein Kompromiss-Entwurf, der McCains Folterverbot aufrechterhält, den "ungesetzlichen feindlichen Kämpfern" aber weiterhin jene Rechtsmittel vorenthält, die anderen Häftlingen in den USA zustehen, könnte den Pentagon-Etat retten. Auch Amerikas Ehre? George W. Bush und seinem Vize Dick Cheney scheinen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus alle Mittel recht zu sein. Nach dem 11. September 2001 ist ein Schattenreich aus geheimen Verhörzentren in aller Welt entstanden, wohin "Geistergefangene" gebracht und fremden Folterknechten übergeben werden. Einem Bericht der Washington Post zufolge sollen sich geheime Gefängnisse auch in Osteuropa befinden. Was haben EU und Nato seither unternommen, um herauszufinden, ob in einem ihrer Mitgliedsländer US-Gefangene gequält werden?

Wir mussten das Dorf zerstören, um es zu retten, hieß es in Vietnam. Glaubt Amerika wirklich, es könne den Krieg gegen den Terrorismus gewinnen, indem es alle Skrupel fahren lässt? Um sein Ansehen wäre es geschehen. Um seine Seele auch.