Statistik COPD und Asthma

Beide Krankheiten haben eines gemein: Die eingeatmete Luft dringt zwar bis zu den feinen Lungenbläschen vor, ist dort aber hinter den verstopften, verengten Atemwegen gefangen. Der Sauerstoff wird knapp. Diese Verengung (Obstruktion) ist beim Asthma nur vorübergehend, bei der chronisch-obstruktiven Bronchitis oder Lungenerkrankung (COPD) aber ist sie dauerhaft – und sie legt sich nicht mehr vollständig.

Wichtigste Vorbedingung für die anfallsartige Atemnot beim Asthma ist eine genetische Anlage für Allergien. Etwa jeder fünfte Mensch trägt die Anlage für Asthma in sich, aber nicht bei jedem bricht es aus. Die Lungenerkrankung ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten. Zehn Prozent aller Kinder ringen deshalb gelegentlich nach Luft und fünf Prozent aller Erwachsenen. Im Jahr 2002 beliefen sich die Krankheitskosten auf insgesamt 2,07 Milliarden Euro.

Anzeige

Am Anfang der Erkrankung steht manchmal eine Infektion, die Schleimhäute schwellen unkontrolliert an. Auch frühes Rauchen kann häufig später zu Asthma führen. Nach dieser ersten Reizung reichen schon geringe Irritationen, wie der Pollenflug, um die Atemwege zu blockieren. Auch gibt es Hinweise, dass die sterile Umwelt in den Industrieländern das Immunsystem unterfordert und dann schon bei geringfügigen Allergen-Belastungen in Aufruhr versetzt.

Mit rechtzeitigen Cortisongaben lässt sich Asthma inzwischen gut in Schach halten. In Deutschland stirbt kaum jemand mehr daran. Auch nimmt die Zahl der Asthmatiker seit einigen Jahren nicht mehr zu – obwohl inzwischen vermehrt auch ältere Menschen im fünften und sechsten Lebensjahrzehnt den ersten Anfall erleiden. Woher die Verschiebung rührt, ist unklar.

An COPD erkranken vor allem Menschen jenseits des 40. Lebensjahrs; 80 bis 90 Prozent der Patienten sind Raucher. Seltenere Risikofaktoren sind eine starke Umweltverschmutzung und eine berufsbedingte Staubbelastung (etwa in Bäckereien oder Kohlenminen). Auch ein genetisch bedingter Alpha-1-Antitrypsinmangel kann COPD verursachen.

Nach Schätzungen gibt es zwischen drei und zehn Millionen Erkrankte in Deutschland. Etwa 30 Millionen Arbeitstage gehen durch COPD jährlich verloren. Jedes Jahr sterben 21000 Menschen an den Spätfolgen der COPD. Laut Expertenprognosen könnte COPD bis 2020 die dritthäufigste Todesursache der Welt sein.

Die Therapie ähnelt der des Asthmas: Entzündungshemmer wie Kortikosteroide und bronchialerweiternde Mittel wie Beta-2-Sympathomimetika, auch als Kombination und Vorsorge gegen Atemwegsinfekte (Grippeschutzimpfung). Sind die Lungenbläschen im Spätstadium der COPD weitgehend zerstört, hilft nur noch eine Lungentransplantation.

Erratum

Die Anzahl der Herzklappen-Operationen wurde in Folge 1 der Serie einmal mit 5000 und einmal mit 18000 angegeben. 18000 ist richtig.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Quelle (c) DIE ZEIT 17.11.2005 Nr.47
    • Versenden E-Mail verschicken
    • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
    • Artikel Drucken Druckversion | PDF
    • Schlagworte Statistik | Asthma | Allergien
    • Artikel-Tools präsentiert von:

    Service