Volkskrankheiten Die atemlose EpidemieSeite 3/3

Angesichts dieser Umstände ist es schwierig, das Ausmaß der Erkrankung abzuschätzen, doch Epidemiologen haben überschlagen, dass weltweit rund 600 Millionen Menschen an COPD leiden. Und es werden wohl noch viel mehr werden. Seit 1990 marschierte COPD in der Statistik der weltweiten Todesursachen bereits von Rang sechs auf Platz vier. Bis 2020 wird es voraussichtlich Rang drei erobert haben, vor Massenkillern wie Tuberkulose, Lungenentzündungen, nur geschlagen von Herzgefäßerkrankungen und Schlaganfällen. Speziell in den Industrieländern steigen die Sterberaten für COPD schneller als für jede andere Erkrankung. Ein Großteil der Zunahme geht auf das Konto von Frauen, die immer öfter zur Zigarette greifen. Im Jahr 2000 starben erstmals mehr Frauen als Männer an COPD.

Wenn es regnet und die Feuchtigkeit auf die Luft drückt, ringt Jens Lingemann besonders schwer nach Atem. Sehnsüchtig wartet er dann, dass es aufklart – bei schönem Wetter schleppt er sich gern auf die Terrasse, wo er oft stundenlang in der Sonne sitzt. Statt 3,7 Liter – wie es für einen Mann seines Alters normal wäre – fasst seine Lunge nur noch 500 Milliliter, so viel wie eine kleine Milchpackung. Das reicht weder zum Treppensteigen noch zum Schuhebinden, und selbst zum Duschen muss sich der 44-Jährige auf einen Hocker setzen. Er schläft nicht viel. »Ich müsste ein Fantast sein zu glauben, dass ich sehr alt werde, da will ich meine letzten Jahre nicht auch noch verschlafen«, sagt der Vater eines zehn- und eines 17-jährigen Sohns.

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COPD ist nicht heilbar, doch es gibt heute Medikamente – bronchialerweiternde Mittel wie Beta-2-Sympathomimetika und Entzündungshemmer wie Kortikosteroide –, die ihren Fortgang bremsen und Symptome lindern können. In schweren Fällen entfernen Ärzte chirurgisch besonders große Emphysemblasen. Auch eine Lungentransplantation ist möglich, erfordert aber lange Wartezeiten und ist riskant – 20 Prozent der Empfänger versterben bereits im Jahr nach der Operation.

Die beste Therapie aber halten nur wenige Patienten durch: nicht mehr zu rauchen.

Weiterführende Informationen:

Selbsthilfegruppe und Mailingliste Lungenemphysem - COPD
Jens Lingemann
http://www.lungenemphysem-copd.com/index.php
Dort gibt es auch Buchvorstellungen

Deutsche Emphysemgruppe
Bundesgeschäftsstelle
Dipl. Psych. Heide Schwick
Steinbrecherstr. 9
38106 Braunschweig
Telefon: (0531) 234 904 5
E-Mail: DEG@emphysem.de
http://www.deutsche-emphysemgruppe.de

Patientenliga Atemwegserkrankungen
Berliner Str. 84
55276 Dienheim
Telefon: (06133) 3543
E-Mail: pla@patientenliga-atemwegserkrankungen.de
http://www.patientenliga-atemwegserkrankungen.de/

Lungensport AG
http://www.lungensport.org/pages/inhalt.php3

http://www.copd-aktuell.de/ (Webseite von Boehringer Ingelheim Pharma)

http://www.copd-international.com (englisch)

http://www.goldcopd.com/ (englisch)

 
Leser-Kommentare
  1. \N

  2. Vielen Dank für diesen guten Bericht über eine schwere Lungenerkrankung. Leider haben sie dabei nicht beachtet,daß die Todesursache ein Problem darstellt. Viel wichtiger ist aber die imensen Krankheitsausfalltage, das schwere Leiden der Menschen, die Unfähigkeit den Alltag zu bewältigen und kaum noch irgendeine Arbeit verrichten zu können. Sterben ist eine Sache, aber leiden und auf andere Menschen 100% angewiesen sein eine andere. Typisch für den Bericht ist allerdings auch, die Unfähigkeit der Hausärzte, die angeblich zu spät die Krankheit erkennen. Tatsache ist, daß der Gesetzgeber fast nichts gegen das Rauchen unternimmt und nichts gegen die Zigarettenindustrie, damit Kinder nicht mit dem Rauchen anfangen.
    Zuletzt haben sie kein Wort über die imensen Kosten und die sehr teuren Medikamente erzählt, schade, denn diese können wir aufgrund der Budgetierungen kaum noch verordnen.
    Gruß aus Lübeck,

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  • Quelle (c) DIE ZEIT 17.11.2005 Nr.47
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  • Schlagworte Epidemie | Niederlande | Asthma | Europa | Nordamerika
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