Ein Professor für Mikrotherapie will Kinder für Medizin interessieren und wählt dafür das Genre der Abenteuergeschichte. Kann das gut gehen? Man zweifelt. Und wenn der Leser dann noch in ein Science-Fiction-Szenario entführt wird, wird ihm eher bange. Den Kindern, die von Dietrich Grönemeyer ins Abenteuer geschubst werden, ist mindestens ebenso bange. Wie sie sich aber nach und nach in den verrücktesten Lagen zurechtfinden, ja vor Staunen jede Furcht verlieren, das teilt sich mit und lässt wohliges Gruseln aufkommen.

Folgendes passiert: Der zwölfjährige Held Nanolino, kurz Nano genannt, gerät wegen eines Sportunfalls in die High-Tech-Klinik Villa Nachtigall. Deren nett-verschrobener Chef Dr. X erweist sich als genialer Erklärer, seine schrille Assistentin Micro Minitech als kinderliebe Tüftlerin. Sie kann Gegenstände schrumpfen, sie hat sogar ihren Hasen Rappel schon derart verkleinert, dass er in einem Winztauchboot durch lebende Organismen reisen konnte. Nur erzählen, was er da erlebt hat, das kann er natürlich nicht. Wenn man nun einen Menschen so klein… Nein, das darf man nicht einmal denken!

Es kommt, wie es kommen muss: Nano spielt unvorsichtig herum und gerät in einen Schrumpfversuch. Ehe er sich’s versieht, kurvt er durch die Mundhöhle von Micro Minitech in deren Verdauungstrakt. Als der Doktor und seine Assistentin den Unfall bemerken, ist’s zu spät. Die Reise muss weitergehen bis zum natürlichen Abgang. Eine fesselnde Expedition. Teilnehmer und Leser merken gar nicht, mit welcher Leichtigkeit sie unterwegs Anatomie und Biochemie lernen. Doch damit nicht genug: Hinzu kommt, dass der Schurke Profes- sor Schlotter die Verkleinerungstechnik geklaut hat und die Herrschaft über die Menschheit gewinnen will!

Science-Fiction, Krimi, Familienstory verknäueln sich. Die Ausflüge in die Wissenschaft sind so unterhaltsam, dass man hin- und hergerissen ist zwischen dem Wunsch nach mehr Wissen und der Jagd nach den Verbrechern. Da begrüßt man die kleinen Erzählinseln, wenn die Kinder mal wieder bei der Großmutter einkehren, sie weiß so herrliche Rezepte für Apfelschorle wie für Wickel zur Schmerzlinderung.

Alles total spannend. Und zugleich ein kompaktes Nachschlagewerk

Grönemeyer versteht es sogar, zwischen Sonden und Hologrammen noch Heilkräuter einzuschmuggeln, und in locker verteilten Textkästen bietet er Informationsextrakte: "Was ist … ultraviolettes Licht, Endoskopie, Mandelentzündung, Desinfektion, Blutdruck?"