Papa, Feierabend! Geld, ach nur Geld

Was passiert, wenn Erwachsene auf einfachste Kinderfragen antworten

Anne Franks Vater hat das Geliermittel Opekta erfunden. Sie steht vor seinem Büro und holt ihn von der Arbeit ab

Man kann sich das schon vorstellen. Der Vorstandschef der großen Bank kommt abends nach Hause, es ist spät geworden, der Tag war hart, am Morgen hat er den am Telefon zugeschalteten Analysten erklären müssen, wie er den Börsenkurs wieder nach oben bringen will, und dabei war er wenig überzeugend, der Kurs jedenfalls ist weiter gesunken, und für die Aktionäre bedeutet das Millionenverluste; am Nachmittag haben ihm die wichtigsten Investmentbanker mit Kündigung gedroht, sollten sie nicht mehr Geld bekommen, und erst eine lange Krisensitzung hat das Problem gelöst, die verwöhnten Aktienhändler und Anleihespezialisten kassieren künftig mehr, dafür allerdings ahnt er schon, welche Schlagzeilen er morgen früh zu lesen bekommt. Geld, immer geht es um Geld, und jetzt, zu Hause, sind seine Kinder bereits im Bett, ohne Gutenachtgeschichte, ohne einen letzten Kuss und vor allem ohne eine Antwort auf die Frage, die sie ihm, den mächtigen Bankchef, schon vor Wochen gestellt hatten: Papa, was macht eine Bank eigentlich mit unserem Geld?

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Rolf Breuer war Chef der Deutschen Bank, er hat fünf Kinder, und irgendwann, als diese noch klein waren, werden sie ihm so eine Frage bestimmt gestellt haben. Die Fragen von kleinen Kindern sind immer einfach, nur die Antworten der Erwachsenen sind kompliziert. Vielleicht mag sich Breuer damals gedacht haben, wenn ich es schon meinen eigenen Kindern nicht erklären kann, dann erkläre ich es später wenigstens allen anderen Kindern, am besten in einem Buch, und das in ganz einfachen Worten und eingebettet in eine schöne Geschichte.

Breuers Beitrag ist eine von 15 Antworten auf Kinderfragen, die von den Fernsehjournalistinnen Sigrid Born und Nicole Würth zusammengestellt wurden. Ihr Buch Geld spielt (k)eine Rolle soll Kindern erklären, »wie Geld und Wirtschaft funktionieren«. Und wer könnte das besser als 15 Prominente, deren Namen fast jedes Kind kennt?

So schreibt Angela Merkel über Globalisierung und Franz Müntefering über Steuern, die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt geht der Frage nach, wie viel Gehalt Eltern bekommen und wofür sie es ausgeben, der ARD-Börsenexperte Frank Lehmann beschreibt, warum Marken-Shirts mehr kosten als No-Name-Artikel. Es sind die richtigen Fragen: Wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen wird für Kinder – und Eltern – immer wichtiger, je mehr der Staat seine Leistungen zurückfährt. Eigenverantwortung heißt eben auch, dass man Bescheid weiß. Und da hakt es gewaltig. Wer weiß schon, was eine Beitragsbemessungsgrenze ist? Oder wie eine Kapitallebensversicherung funktioniert? Und wieso haben die meisten Menschen nach einem Termin beim Bankberater das ungute Gefühl, etwas unterschrieben zu haben, aber nicht genau zu wissen, was? Je früher man heute Kinder mit Geld vertraut macht, umso besser. Bislang hat das nicht funktioniert: Die Zahl überschuldeter Jugendlicher ist so hoch wie nie.

Aber an wen richtet sich das Buch? An Neunjährige, die lernen sollen, ihr Taschengeld einzuteilen? An 15-Jährige, die über Globalisierung diskutieren? Oder an Eltern, die ihren Kindern beibringen wollen, was sie selbst zu spät lernten? Offensichtlich konnten sich die Herausgeberinnen nicht entscheiden, und so zerfällt das Buch in eine wilde Mischung aus Kleinkindersprache (»So wie die Biene umherschwirren und arbeiten will, möchte auch das viele Taschengeld einen Nutzen haben«) und Volkshochschule (»Diese wachsende Mobilität hat erheblich zu der heutigen Verflechtung der Volkswirtschaften beigetragen«). Am Ende bietet das für jeden etwas – und doch nichts Richtiges. Schade.

Geld spielt (k)eine RolleSachbuchFragen zu Geld und WirtschaftSigrid Born/Nicole Würth (Hrsg.)Buchars edition2005München14,90125
 
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