Freiheit Nach der MachtSeite 4/4

Nach einer Woche voller heiligem Zorn über den Parteivorsitzenden Müntefering übernahm sie plötzlich doch noch einen SPD-Sitz in der Verhandlungsgruppe für den Koalitionsvertrag. Und schwärmt plötzlich von ihrer designierten Nachfolgerin Ursula von der Leyen. Großartig arbeite man zusammen, beteuert Schmidt, als könne sie dadurch ihre eigene Wirkung noch über den Abschied hinaus verlängern. »Ohne Geheimnisverrat am eigenen Lager zu betreiben, werden wir uns gegenseitig stützen und unterstützen, damit unterm Strich was Richtiges rauskommt«, meint Schmidt so spontan wie euphorisch. Dann erst besinnt sie sich, dass es der parlamentarische Brauch ihr verbietet, als Abgeordnete im selben Bereich tätig zu werden, in dem sie Ministerin war. Na ja, dann werde sie sich eben »außerparlamentarisch« der Familienpolitik widmen. Wie auch immer, die neue CDU-Ministerin jedenfalls wird nach dem 22. November ihre Vorgängerin von der SPD kaum mehr brauchen.

Wer aus seinem Büro ausziehen muss, hat sich vorher schon Entwöhnung vorgenommen. »Der Schreibtisch ist leer, wir regieren ja nicht mehr«, sagt Marieluise Beck trocken. Sie guckt jetzt häufiger auf ihren »Hausaltar«. So nennt sie die kleine Galerie von selbstgerahmten Fotos, gleich neben dem Schreibtisch. Die Töchter sind dort zu sehen, ihr Mann und ihre Pferde. »In den letzten Jahren gab es die Pferde mehr in meinem Kopf«, bald, als Abgeordnete, soll es wieder öfter querfeldein gehen. Fällt Frauen der Abschied leichter? Frauenministerin Schmidt meint, ja: »Vielleicht nehmen Frauen sich auch in wichtigen Positionen weniger wichtig, als Männer es tun.«

Wolfgang Clement immerhin scheint sein unmittelbarstes Problem gelöst zu haben: Was machen aus der schönen 70-Quadratmeter-Wohnung in Berlin-Tiergarten, die aufwendig auf ministerielle Sicherheitsstandards hochgerüstet wurde? Peer Steinbrück, erzählt Clement, sei gerade in dem Apartment, um es seiner Frau zu zeigen. Die beiden kennen sich lange, Steinbrück war Finanzminister in Clements Düsseldorfer Kabinett. Jetzt darf der Junior weitermachen, als Bundesfinanzminister und einer der ganz raren Neueinsteiger in der stark geschrumpften SPD-Ministerriege. Wenig später ruft eine Mitarbeiterin Wolfgang Clement zu: »Ihre Frau hat angerufen. Es geht so weit alles in Ordnung.« Der Nochminister hat immerhin seinen Nachmieter gefunden.

 
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