usa Krieg um Amerikas Seele
Mit Wucht bricht in den USA eine Debatte über das moralische Scheitern im Irak auf
Einen Tumult wie diesen hat es auf Washingtons Kapitolshügel lange nicht gegeben. Als die republikanische Abgeordnete Jean Schmidt dem Demokraten John P. Murtha am vergangenen Freitagabend zurief: »Nur Feiglinge hauen ab, Marines tun das nie«, da wäre es fast zu Schlägereien gekommen.
Amerikas Debatte um den Irak-Krieg heizt sich auf. Sie beherrscht die Kommentarspalten und die Gespräche am Abendbrottisch. Jetzt hat sie sich explosionsartig im Kongress entladen.
Dort haben die oppositionellen Demokraten lange verdruckst geschwiegen. Die meisten ihrer Senatoren und Abgeordneten hatten für den Krieg gestimmt. Und solange George W. Bush die Mehrheit der Amerikaner hinter sich hatte, behielten sie ihre Zweifel lieber für sich. Bis John Murtha kam, ein 73 Jahre alter Ex-Marine und Vietnamveteran, seit drei Jahrzehnten Mitglied des Abgeordnetenhauses, eine Pressekonferenz einberief und unter Tränen sagte, die amerikanischen Truppen seien »zum Katalysator der Gewalt« geworden. »Es ist Zeit, sie nach Hause zu bringen.«
Amerika führt nicht nur eine politische und militärische, sondern auch eine moralische Debatte: Wie glaubhaft ist unser Kampf gegen den Terror, wenn wir Gefangene foltern, grausam behandeln und erniedrigen?
Präsident Bush, an den sich diese Frage vor allen anderen richtet, hat an Vertrauen dramatisch verloren. Der jüngsten Gallup-Umfrage zufolge sagen 60 Prozent der Amerikaner, der Krieg sei die Opfer nicht wert gewesen. Wurden wir in die Irre geführt? Wurden wir belogen? Die Mehrheit beantwortet diese Fragen heute mit Ja.
Die Bürger seien der Politik voraus gewesen, sagt der Abgeordnete Murtha. Nun aber ist die Debatte auch in Washington mit aller Härte entbrannt. Der Präsident und er könnten »gewisse Politiker nicht daran hindern, ihr Gedächtnis und ihr Rückgrat zu verlieren«, höhnt Vizepräsident Dick Cheney, in dem immer mehr Amerikaner den bösen Geist der Regierung Bush sehen. Ausgerechnet Cheney, giftet Murtha, fünfmal habe der sich im Vietnamkrieg zurückstellen lassen.
Natürlich ist die Warnung nicht leicht zu nehmen, ein Abzug der US-Truppen würde den Irak, der heute schon am Rand des Bürgerkrieges steht, vollends ins Chaos stürzen. Aber immer mehr Amerikaner haben den Glauben an einen militärischen Sieg verloren. Sie fragen: Wofür sind die über 2000 gefallenen GIs gestorben? Für den Kampf gegen den Terror? Für die Freiheit der Iraker? Für die Demokratie im Mittleren Osten? Oder doch nur für die verfehlte Politik einer zwischen traditioneller, harter Interessenverteidigung und neokonservativem Bekehrungseifer hin- und herirrenden Regierung in Washington?
Eines nur weiß niemand zu benennen: einen Ausweg aus dem selbst verschuldeten Dilemma, eine glaubwürdige exit strategy. Melvin Laird, der als Verteidigungsminister Richard Nixons den Rückzug aus Vietnam organisierte, sieht wie damals in der »Vietnamisierung« heute in der »Irakisierung« des Krieges den einzigen Ausweg. Aber es gibt Landeskenner, die erwidern: Die Vereinigten Staaten können keine irakische Armee aufbauen, da doch die einheitliche irakische Nation von den Irakern selbst in Zweifel gezogen wird.
- Datum 24.11.2005 - 13:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 24.11.2005 Nr.48
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Oder im Umkehrschluss: Die USA tun immer das Richtige und zwar alles, was zum Vorteil und der Machterweiterung ihrer Bosse dient. Eine ganze Nation wird dafür von Wenigen durch die Hölle geschleift. Ein Schelm, der hier mutmaßt, dass die Politiker "frei" von der Masse gewählt, im eigenen Interesse und für die eigentlichen Machthaber im Lande die Drecksarbeit vorbereiten, begründen und schliesslich einleiten.
om mani padme hum
Selbstverständlich geht es den Amerikanern um den aus ihrer Sicht dringend benötigten Zugriff auf die irakischen Ölreserven. Was aber immer wieder übersehen wird, sind die grossen Interessen der Rüstungsindustrie. Während sich die Demokraten um Bill Clinton noch um ein Umlenken der Rüstungsausgaben in die Sozialsysteme bemühten, flossen seit dem Amtsantritt der Bush-Administration jedes Jahr im Durchschnitt zehn Prozent mehr in neue Waffensysteme. Vor Kriegsausbruch waren die amerikanischen Waffenlager gut gefüllt und weitere Aufträge an die Rüstungsfirmen waren kaum zu rechtfertigen. Die Lösung des Problems: ein Krieg musste her. Mit dem neuen Feindbild des Terrormismus und den damit verbundenen Kriegen gegen Afghanistan und Irak konnte Bush mit neuen Aufträgen die äusserst wichtigen Parteispendengeber des Militärisch-Indutriellen Komplexes befriedigen und hatten zusätzlich noch die Kontrolle über das irakische Öl. Das ist zynisch ? Richtig, aber so und nicht anders funktioniert seit Jahrzehnten amerikanische Interessenspolitik. Es geht defintiv nicht um Demokratie und Befreiung.
Spät, aber nicht zu spät beginnt in den USA eine öffentliche Debatte über das moralische Scheitern ihrer Außenpolitik. Moralische Werte mussten bisher zumeist hinter geostrategischen und monetären Interessen zurückstehen. Kurzfristig ist diese Politik erfolgreich. Dies hat aber eindeutig wenig mit der Regierungsform, sondern mit der militärischen Überlegenheit der USA zu tun. Ohne moralische Überlegenheit aber stellt sich nach jedem militärischen Eingriff bestenfalls Waffenstillstand ein, wobei der Aufwand immer größer wird. An diesem Defizit sind in der Vergangenheit alle Großmächte gescheitert. Die USA kann das noch rechtzeitig erkennen.
Es ist mir unverständlich, wieso in diesem Artikel nicht ein einziges mal das Wort Öl auftaucht. Dieser Krieg hat nichts mit dem Kampf gegen Terror zu tun. Dieser Krieg hat nichts mit der Freiheit der Iraker zu tun. Dieser Krieg hat nichts mit Demokratie im Mittleren Osten zu tun. Dieser Krieg ist auch nicht das Ergebnis einer "verfehlten" Politik, sondern einfach militärisches Mittel zum Zweck, um sich ganz bewußt den Zugang zu den irakischen Ölreserven zu sichern.
Nicht zuletzt sei der Autor daran erinnert, daß die USA nicht Amerika sind, die US-amerikanische Seele nichts mit der kanadischen und noch weniger mit der südamerikanischen Seele zu tun. Bevor man also die Tiefen der US-amerikanischen Seele untersuchen möchte, sollte man erstmal dem US-Imperialismus ins wahre Gesicht schauen.
Amerikaner tun am Ende immer das Richtige nachdem sie vorher alle anderen Möglichkeiten ausprobiert haben.
Winston Churchill
Nass'sche Gedankengut kommt mir stets enorm naiv vor, und wie in anderen Gegenkolumnen habe ich die meinigen Leser auf seine (und andere) Realitaeten gedeutet, die weniger mit dem hiesigen nationalen Konsens hierzulande zu tun haben als mit eigenen Interessen. Zuerst muss gesagt werden, dass eine Debatte hier stattfindet. Bleibt zu fragen, ob sie sich um das von ihm gehypte Bild von "Nationaler Seele" handelt oder eher Grundkonsens in bezug auf Sinn u. Form der Irak-Politik selbst. Ich stimme fuer letztere, da nur die linken Intellektuellen, die Campus-Elite, sich strittig macht im Sinne eines nationalen Scheiterns ala Irak/Vietnam (letzterer Punkt gilt auch als schwach, da Zarkawi keineswegs den Status eines Ho Chi-Minhs hat, ist ausserdem Auslaender). Was passiert, wie schon angedeutet, ist eine Debatte ueber Tempus, eine Zeitlinie fuer einen schon laengst im Visier gesehenen Abzug, der so oder so kommen muesste, der alle, sogar kalt Krieger wie Rumsfeld, in den manigen talkshows zugegeben haben. "Niemand will okkupiert sein" lautet die Parole, und mit Recht. Sinn der jetzigen Debatte handelt sich nicht um "seele", sondern Stufen (vgl. Condi Rices juengste Aeusserungen). Niemand bestreitet diesen Punkt, nur das Tempo. Mit Recht behauptet Abgeordnete Murtha den Punkt, dass die Iraker so oder so Selbstverwaltung praktizieren muessen, das ist richtig. Aber das Handumdrehen u. Jammern einer Nass'schen Agenda kann ich kaum nachvollziehen aus der Debatte. Im uebrigen, falls die Leser es wissen wollen, lehnten Parteigenossen Hillary Clinton, John Kerry und Joe Biden--alle Kandidaten anno 2008--Murthas Klagelied 100% ab, eine Tatsache, die Herr Nass schon schoen ausklammert. Kein vernuenftiger demokratischer Politiker, und manche Gegner aus republikanischen Kreisen, verlangt sofortigen Abzug, zusammen mit einer faustischen Seelensorge ala Nass. Stattdessen wollen sie einen Erfolg DER IRAKER sehen; es handelt sich kaum um "einen US-Sieg" ala Nass. Militaerisch war es niemals ein Triumphzug der US-Armee, denn alle Generaele, die interviewt werden, sprechen von der Notwendigkeit einer politischen Loesung. Dies scheint Nass u. Co. lediglich vergessen zu haben.
Die nochmals von Nass verlautbarte Frage von "Schuld" spielt unter den Massen eine kleinere Rolle. Die Frage von "das Richtige tun", d.h. Truppenabzug gekoppelt mit Erfolg nach der baldigen Wahl im Sinne einer irakischen Konsenspolitik--dies scheint eher hier Echo gefunden zu haben. Man kann nur erhoffen, dass die Iraker selbst den Weg finden, und statt wie Euro-Linke zu denken, kann man nur hoffen, dass dort eine irakische Form der Demokratie Fuss fasst. Euroskepsis hat dort keinen Platz, bietet niemanden was Neues oder Positives. Das scheint H. Nass auch vergessen zu haben.
Y. professor thinks bombs, not planes, toppled WTC
www.physics.byu.edu/research/energy/htm7.html
Original article is at http://www.indybay.org/ne...
Memo: Bush wanted Aljazeera bombed
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