Der Selbstständige

Das kleine Wirtschaftswunder in der ostfriesischen Stadt Leer hat zwei Väter: Einer heißt Jens Duin; er gründete die Firma Tridem, einen Internet-Dienstleister. Der andere heißt Rolf Meier und ist Coach. Vom Einmannunternehmen zur Firma mit sieben Angestellten brauchte Tridem fünf Jahre – und viel Courage. »Ich war bei der Gründung 28 Jahre alt. Viele Entscheidungen hätte ich ohne die Beratung von Rolf Meier sicher anders getroffen«, sagt Jens Duin. Der Hamburger Coach, mit seinen 61 Jahren fast doppelt so alt wie Duin, trieb ihn beständig an – und ermutigte ihn beispielsweise, Mitarbeiter einzustellen. © Frauke Lehn für DIE ZEIT BILD

Jens Duin begann zu einer Zeit, als jeder auf die New Economy setzte, der einen Computer einschalten konnte. Viele sind nach kurzem Höhenflug hart gelandet, Duin aber startete da erst richtig durch. Vielleicht liegt es daran, dass er kein windiger Technologie-Freak ist, sondern studierter Betriebswirt. Seinen Posten bei einer Reederei kündigte er für die Selbstständigkeit. Er krempelte die Ärmel hoch in einem 16-Quadratmeter-Büro, in das gerade mal sein Schreibtisch, sein Computer und sein Optimismus passten. »Der Anfang war hart. Ich musste mich etablieren und vor allem Kunden gewinnen«, erinnert sich Duin. Da traf es sich gut, dass ein älterer Herr anrief und seine Homepage neu gestalten lassen wollte: Rolf Meier. »Eine ungewöhnliche Art, seinen Coach kennen zu lernen«, meint Jens Duin heute.

Die beiden kamen ins Gespräch; der Karriere-Neuling und der routinierte Geschäftsmann mit jahrelanger Führungserfahrung. Der Junge baute dem Alten die Homepage, der Alte half dem Jungen bei den Entscheidungen. Und die wurden immer gewichtiger: Nach ein paar Monaten ging es darum, ob er einen Mitarbeiter einstellen sollte oder nicht. »Du überlegst dir schon, was das für eine Verantwortung ist. Die Firma muss ja dessen Gehalt auch mit abwerfen«, sagt Duin. Rolf Meier riet zur Expansion. »Ich kann schnell einschätzen, wie ernst es jemandem mit seinem Geschäft ist und wie gut er aufgestellt ist«, sagt Meier, der jahrelang Personalleiter einer großen Versicherungsgesellschaft war. »Junge Gründer bringen unvorstellbar viel Kraft mit. Was ihnen aber fehlt, ist das Know-how eines langjährigen Unternehmers.« An dieser Stelle springe der Coach ein – »so als eine Art distanziertes Gewissen des Gründers, mit dem man noch einmal alle Optionen durchspielen kann«. Duin hat damals auf Meier gehört. Ohne Coaching, da ist er sich sicher, wäre vieles anders gelaufen. Vielleicht hätte er auf halber Strecke das Handtuch geworfen, wenn Meier ihn nicht bestärkt hätte. Inzwischen weiß er, dass seine Entscheidungen richtig waren. Und gerade erst hat er seinen früheren Arbeitgeber, die kleine Reederei aus Leer, als neuen Kunden gewonnen.

Die Abteilungsleiterin

Playmobil-Figuren haben Freya Carolin Petersen zu einer besseren Chefin gemacht: der kleine Teufel, das liebe Mädchen und die Mutter. »Das sind alles Charakterzüge, die ich in mir finde«, erklärt die 37-jährige Betriebswirtin, die in Hamburg die Handelsabteilung des dänischen Generalkonsulats leitet. Die Figuren hat der Coach Axel Janßen mitgebracht. »Mein Problem war, dass ich ungern delegiert habe. Ich hatte zu viele Aufgaben auf meinem eigenen Schreibtisch«, sagt Petersen. Oft hatte sie sich vorgenommen, die Aufgaben unter ihren zehn Mitarbeitern zu verteilen – ein Vorsatz, dem sie immer wieder untreu wurde. »Ich bin ein ehrgeiziger Mensch und suche Herausforderungen«, sagt sie. »Da fällt es schwer, Aufgaben nicht selbst zu erledigen.«